Ist die „Wert-Orientierungswelle“ eine Farce?

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Frankfurt am Main / Alzenau, Januar 2016

Über „Werte“ zu sprechen ist seit einigen Jahren „in“. Sie dienen gerne als Treibstoff und Begründung für alle Phänomene, die man nicht abschließend verstehen und rational erklären kann.

So haben die Autoren des Buch-Bestsellers „In Search of Excellence“ erstmals Mitte der 80er Jahre versucht, besondere Unternehmenserfolge über sog. „Unternehmens-Softfacts“ und Werte zu erklären. Erstaunlich ist nur, dass die meisten der damals herausgestellten Unternehmen heute nicht mehr am Markt sind.

Mittlerweile werden Gesellschaften, Systeme, Unternehmen …, Erfolge und Misserfolge gerne damit begründet, weil die und die Werte vorliegen oder eben nicht. Von zusammenhangslosem und seichtem Stammtischpopulismus bis hin zu wissenschaftlich anmutenden Studien namhafter Autoren wird der Mythos „Wert“ strapaziert. Untersucht man derartige Studien kritisch, wird in einem nahezu naiven Muster ex post in einer keineswegs empirischen Anzahl von Unternehmen über Interviews und etwas finderischer Kreativität ein bestimmter Wertenenner herausgefiltert, dieser mit der Unternehmensperformance-Kurve eines Unternehmens in Beziehung gesetzt und mit etwas Glück eine Korrelation festgestellt. Signifikanz? Fehlanzeige! Aber die Studie verkauft sich als wieder ein neues „Rezept zum Erfolg“ gut und viele fallen darauf rein.

Und weil es „in“ ist, Werte zu haben und zu leben, legen, besser, kaufen sich Unternehmen die vermeintlich richtigen zu, oftmals von außen wohlformuliert übergestülpt und deshalb besonders daneben. Diese Art Wertproklamationen – mit tollen Begriffen wie „Kultur“, „Leitbild“, „Vision“, „Core-Values“ übertitelt – haben einen phrasenhaften Beigeschmack, oft ohne Sinn, Inhalt und Authentizität. Zunächst sind das alles leere Worte. Durch Reden, Schreiben und Aufzählen, oder gar Motivationsshows entstehen noch keine Werte. Man kann Menschen nicht einfach „dazu bringen“ bestimmte „Werte“ zu leben, vor allem dann nicht, wenn gar nicht geklärt ist, wann ein „Wert“ ein Wert ist. In (zu) vielen Organisationen sind „Werte“ oft künstlich, von außen gestaltet, aufgesetzt und nicht passend, nicht gelebt, geschweige dass sie ethische oder moralische Qualität erreichen. Als Medium der manipulierten Zwangssozialisierung und Erziehung sind sie ins Gegenteil verkehrt. Falsche bzw. falsch verstandene „Werte“ haben Hinterhältiges: Sie bilden eine Bevormundungskultur, deren Opfer oft gar nicht wissen was mit ihnen geschieht. Und das wird dann in viele Organisationen wieder als „Sinn-Schaffung“ verkauft, damit die Wertschöpfungsameisen ja auch Freude und Erfüllung beim Broterwerb verspüren sollen.

Die Werte-Welle ist zudem oft verbunden mit seichter Botschaften wie „Du kannst alles erreichen, wenn Du es nur willst“, deren entschiedener Gegner Professor Schließmann ist. Diese Haltung ist ihm sowohl zu oberflächlich als zu undifferenziert und naiv und passt nicht in eine immer komplexere Welt. Zudem ist sie eine schlichte Lüge, setzt man seriöse Erkenntnisse persönlicher Leistungspotentiale und Erfolgsmöglichkeiten an.

Christoph Schließmann setzt sich im Auftaktvortrag 2016 zu den „Kälberauer Gesprächen“ mit der Wertewelle – vor allen aus seinen Erfahrungen der Unternehmensführung – kritisch auseinander und gibt Antworten zu realistischen und effektiven Lösungsansätzen im Umgang mit Werten in Organisationen.

Vortrag am 1. Februar 2016, 19:30 Uhr in der Wallfahrtskirche Kälberau / Alzenau

2012 startete Initiator Pater Bernhard Pieler in Kälberau die Kälberauer Gespräche. Die Veranstaltungsreihe geht in ihr fünftes Jahr. www.kuratie-kaelberau.de

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