Jeder zweite neue DAX 30-Aufsichtsrat ist eine Frau – nur knapp jeder dritte stammt aus dem Ausland (FOTO)

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Russell Reynolds Associates veröffentlicht die 6. Ausgabe der „DAX
30-Aufsichtsratsstudie“. Danach fehlt relevante Digitalkompetenz in
zwei von drei Aufsichtsräten.

– Bereits 21 der 30 Aktionärsvertretungen erfüllen die für 2020
gesetzlich festgelegte Frauenquote
– Siemens, Deutsche Bank, Adidas und Daimler haben laut Papierlage
die besten Aufseher
– Fehlende Internationalität: Anteil ausländischer Aufsichtsräte
sinkt auf 27%; nur 6% kommen von außerhalb Europas
– Nur jedes dritte Board (37%) verfügt über ausgewiesene
Digital-Expertise
– Zwei Superwahljahre: 2018 und 2019 stehen 71 bzw. 87
Aufsichtsratsneubesetzungen bei DAX-Konzernen an

Mit einem Anstieg um 5 Prozentpunkte von 23,7% auf 28,7%
verzeichnen die Aufsichtsräte der DAX 30-Konzerne auf der
Eigentümerseite den historisch stärksten Zuwachs an weiblichen
Mitgliedern. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 39 Kapitalvertreter
ersetzt oder neu bzw. zusätzlich gewählt. Mit 18 weiblichen
Nachrückern besetzen Frauen fast jeden zweiten (46%; 2015: 39%) der
zu vergebenden Aufsichtsratsposten. Nach den Hauptversammlungen 2016
erfüllen damit bereits 21 der 30 (2015: erst 13)
Aktionärsvertretungen die vom Gesetzgeber festgelegte Frauenquote.
Allerdings fielen Adidas und Henkel, die 2015 bereits einen
30%-Anteil vorweisen konnten, mit der Aufstockung um zwei männliche
Aufseher für den Sportartikelhersteller und dem Ausscheiden von
Beatrice Guillaume-Grabisch wieder auf einen Frauenanteil von 25% und
damit hinter die geforderte Quote zurück. HeidelbergCement ist mit
einem Frauenanteil von lediglich 17% das aktuelle Schlusslicht auf
Aktionärsvertreterseite in der ersten deutschen Konzernliga.

Obwohl in 21 der 30 Gremien personelle wie strukturelle
Veränderungen stattfanden (2015: 15), blieb die formale Qualität
weitgehend konstant. Bei einer an deutschen Schulnoten orientierten
Durchschnittsbewertung der Aufsichtsratszusammensetzung ergibt sich
für 2016 die Gesamtnote 2,4 (2015: 2,3). Die Studie analysiert die
DAX 30-Aufsichtsgremien anhand der verfügbaren biografischen Daten
ihrer Mitglieder darauf hin, wie gut diese in Bezug auf Kriterien wie
„geschäftsrelevante Erfahrung“– „Mandatslast“, „Diversität“– oder
„Digitalkompetenz“ abschneiden.

Die beste Bewertung im diesjährigen
Russell-Reynolds-Aufsichtsratsranking erhielt mit einer Gesamtnote
von 1,6 der Siemens-Aufsichtsrat, gefolgt vom Vorjahressieger
Deutsche Bank mit 1,9 sowie Adidas und Daimler. Diese teilen sich mit
einer 2,0 den dritten Platz. Daimler wurde 2015 noch mit 2,3 bewertet
und schaffte es somit 2016 von Rang 13 in die Spitzengruppe. Den
größten Sprung nach vorn (Platz 5, vorher Platz 27) machte E.ON mit
der diesjährigen Note 2,1 (2015: 3,0). Die schlechteste Note erhielt
– nicht zuletzt wegen fehlender internationaler Erfahrung und der
niedrigen Frauenquote – HeidelbergCement mit einer 3,1 (2015: Rang
22, Note 2,5).

Das sind die zentralen Ergebnisse der „DAX 30-Aufsichtsratsstudie“
der international führenden Personalberatung Russell Reynolds
Associates. Diese hat die Veränderungen in den Aufsichtsräten der
dreißig größten börsennotierten Konzerne Deutschlands bereits zum
sechsten Mal untersucht.

Weiterhin fehlen internationale Impulsgeber in deutschen
Aufsichtsräten – „man spricht weiterhin deutsch!“

Leicht rückläufig war im vergangenen Jahr die Internationalität
der Aufsichtsgremien: Der Anteil nicht-deutscher Aufsichtsräte ging
um einen Prozentpunkt auf 27% zurück. Von diesen stammt allerdings
fast jeder Dritte aus Österreich und der Schweiz. Von den neu
besetzten Aufsichtsräten besitzen 67% einen deutschen Pass. „Das
Thema Diversity darf bei der Besetzung von Aufsichtsratsposten nicht
als das reine Erfüllen der gesetzlichen Frauenquote fehlinterpretiert
werden. Mindestens ebenso wichtig sind die kulturelle Vielfalt und
das Einbinden der internationalen Perspektive. Hier sind die DAX
30-Aufsichtsräte keinen Schritt weitergekommen“, so Jens-Thomas
Pietralla, Managing Director bei Russell Reynolds Associates und
verantwortlich für die „DAX 30-Aufsichtsratsstudie“. „Zwar sehen wir
mittlerweile eine zunehmende operative Auslandserfahrung der
Aufsichtsräte. Trotzdem ist es ein Armutszeugnis für die Exportnation
Deutschland, dass kein einziges der im vergangenen Jahr neu besetzten
Aufsichtsratsmitglieder aus Asien oder Südamerika und nur ein
einziges jeweils aus den USA und Afrika stammt.“

Allerdings gibt es auch positive Ausnahmen. Den höchsten
Ausländeranteil hat Fresenius Medical Care mit 67%, gefolgt von
Volkswagen und der Deutschen Bank mit je 60% sowie der Deutschen
Börse mit 50%.

Österreich stellt weiterhin das größte Ausländerkontingent mit 17
Aktionärsvertretern, gefolgt von den USA (12), UK (7) und Frankreich
(6). Aufgrund ihrer Herkunft und internationalen Erfahrung besonders
interessante neue Aufseher sind der ägyptische Großaktionär Nassef
Sawiris bei Adidas sowie die Schwedin Carolina Dybeck Happe und der
Italiener Erich Clementi bei E.ON.

Mangelnde Digitalkompetenz in den Gremien gefährdet Digitale
Transformation: Nur in jedem dritten Aufsichtsrat gibt es einen
dezidierten Experten für diesen Bereich

Ein weiteres Ergebnis der Russell-Reynolds-Studie: Nur in 37% der
DAX 30-Boards sitzt mindestens ein Aufseher mit ausgewiesener
Digitalkompetenz. „Offensive Antworten auf die Herausforderungen der
Digitalen Transformation und die damit verbundenen Disruptionen
sollten auf der Strategieagenda oberste Priorität haben. Aber selbst
wenn der Vorstand diese liefert, fehlt bei zwei Dritteln der von uns
untersuchten Aufsichtsräte die profunde funktionale Fachkenntnis, um
die vom Vorstand vorgelegte Digitalstrategie auf Augenhöhe
hinterfragen zu können. Dieser Kompetenzmangel auf der Kontrollseite
birgt erhebliche Brisanz für Deutschlands führende Konzerne“, so Dr.
Thomas Tomkos, Managing Director und verantwortlich für das
Deutschlandgeschäft von Russell Reynolds Associates. „Kombiniert mit
der mangelnden Internationalität ist dieses eklatante Defizit bei den
nächsten Aufsichtsratswahlen dringend zu adressieren. Sonst gerät die
deutsche Wirtschaft in diesem erfolgskritischen Bereich gegenüber dem
internationalen Wettbewerb ins Hintertreffen.“

Finanz- und Industriekonzerne stellen die Topaufsichtsräte

Paul Achleitner, Michael Diekmann und Henning Kagermann sind mit
je vier Mandaten bei DAX-Unternehmen die am häufigsten berufenen
Aufseher der deutschen Blue Chips. „Die sogenannte Deutschland AG mit
massiver struktureller und finanzieller Verflechtung der Konzerne
untereinander ist Geschichte. Dennoch sind nach wie vor einige
Aufsichtsräte und ehemalige Topmanager großer Finanz- und
Industriekonzerne stark in anderen DAX-Gremien vertreten“,
kommentiert Aufsichtsratsexperte Pietralla die Mandatslast. Mit
Ann-Kristin Achleitner, Renate Köcher, Sari Baldauf, Simone
Bagel-Trah und Simone Menne sind bereits fünf Aufsichtsrätinnen mit
mindestens zwei Mandaten im DAX 30 vertreten.

2018 und 2019 sind „Superwahljahre“ mit 71 bzw. 87
Aufsichtsratsneubesetzungen

Die Mandatslast bei einigen Topaufsehern könnte sich noch deutlich
zuspitzen, denn 2018 und 2019 kommen mit 71 bzw. 87
Aufsichtsratsneubesetzungen zwei echte –Superwahljahre– auf die
DAX-Konzerne zu. Diese werden absehbar den Pool von geeigneten
Kandidatinnen und Kandidaten erheblich ausdünnen und daher schon im
Vorfeld zu einer „Reservierungstaktik“ führen. Die Studie zeigt
weiterhin: DAX 30-Konzerne benötigen bis 2017 allein in Vorstand und
den ersten beiden Führungsebenen über 230 Frauen, um ihre
Selbstverpflichtung zu erreichen. Wollte man die 30%-Regel der
Aufsichtsräte auch hier umsetzen, bräuchte man auf diesen Ebenen über
1.300 Frauen; auf alle Managementebenen verteilt fehlen sogar mehr
als 30.000 Frauen. „Für männliche Karriereaspiranten auf
Vorstandspositionen sowie die erste und zweite Führungsebene brechen
harte Zeiten an. Um im Diversity-Zielkorridor zu bleiben, werden
weitsichtige Unternehmen besondere Anstrengungen unternehmen, um
qualifizierte Frauen an Bord zu holen und zu halten“, so Pietralla.

Weiterhin dominieren Unterschiede zwischen den Geschlechtern:
Frauen sind 3,2 Jahre jünger beim Amtsantritt und 2,7 Jahre kürzer im
Amt als Männer

Die positive Diversity-Tendenz geht bislang noch mit erheblichen
Unterschieden zwischen den Geschlechtern einher: Frauen in DAX
30-Aufsichtsräten sind im Durchschnitt 2,7 Jahre kürzer im Amt als
ihre männlichen Kollegen mit einer durchschnittlichen Verweildauer
von sechs Jahren und zudem bei Amtsantritt rund 3,2 Jahre jünger
(Männer: 56,1 Jahre; Frauen: 52,9 Jahre). Der Altersdurchschnitt
liegt bei männlichen Aufsichtsräten bei 62,1 Jahren und damit sechs
Jahre über dem der Frauen (56,2 Jahre). Insgesamt lässt sich aber
eine Annäherung der demographischen Daten erkennen, die sich in den
kommenden Jahren fortsetzen dürfte. Der typische DAX 30-Aufsichtsrat
ist 60,4 Jahre alt und damit fast ein Jahr jünger als noch im
Vorjahr. Die Aufsichtsräte von SAP (10 Jahre), BMW (9 Jahre) und
Fresenius Medical Care (9 Jahre) haben die längste durchschnittliche
Amtslaufzeit. Bei ProSiebenSat.1, Vonovia und RWE sind die
Aufsichtsräte im Durchschnitt weniger als drei Jahre im Amt.

Die höchste Aufsichtsratsvergütung zahlten im vergangenen Jahr mit
durchschnittlich 316.000 Euro BMW und Fresenius Medical Care.
Volkswagen ist in dieser Auswertung binnen eines Jahres vom ersten
auf den letzten Platz abgerutscht. Der Konzern zahlt seinen Aufsehern
einen außergewöhnlich hohen Anteil variable Vergütung, was aufgrund
des Dieselskandals zu im Schnitt nur ca. 35.000 Euro Gesamtvergütung
führte (Vorjahr: durchschnittlich 489.000 Euro).

Über Russell Reynolds Associates

Russell Reynolds Associates ist eine der weltweit führenden
Personalberatungen bei der Besetzung von Spitzenpositionen. 1969 in
New York gegründet, verfügt Russell Reynolds Associates heute mit
insgesamt 46 Büros und mehr als 370 Beratern über ein globales
Netzwerk. In Deutschland ist Russell Reynolds Associates seit 1985
etabliert und in Frankfurt am Main, Hamburg und München mit Büros
präsent. Das Unternehmen ist vollständig im Besitz der im Unternehmen
tätigen Partner. Neben dieser Unabhängigkeit sind es vor allem die
weltweit agierenden Spezialistenteams für einzelne Branchen, mit
denen sich Russell Reynolds Associates vom Wettbewerb abhebt. Über
die hohe Loyalität der Klienten und großen Erfolg bei der Gewinnung
von Mandaten wächst Russell Reynolds Associates über viele Jahre
deutlich zweistellig.

Mehr unter www.russellreynolds.com und bei Twitter
@RRAonLeadership

Pressekontakt:
Weitere Informationen
Susanne J. Mathony
Director Marketing & Public Relations EMEA & Asia
Russell Reynolds Associates
Maximilianstraße 12-14
80539 München
Tel.: +49 89 24 89 81 33 – Handy: +49 174 25 82 711
Susanne.Mathony@russellreynolds.com

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