Kinderarmutsexperten fordern Kindergrundsicherung und Reformen im Bildungssystem

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Kinderarmutsexperten aus ganz Deutschland haben zum Abschluss des Bundeskongresses „Kinderarmut bekämpfen! Chancen und Grenzen der Kinder- und Jugendhilfe“ in Hamburg einen Forderungskatalog zur Bekämpfung der Kinderarmut in Deutschland verabschiedet. In dem Beschluss werden vor allem die Einführung einer bedarfsgerechten Kindergrundsicherung und Reformen zur Beseitigung der Chancenungleichheit im deutschen Bildungssystem gefordert. Diese Maßnahmen sollen in einem Nationalen Programm zur Bekämpfung von Kinderarmut in Deutschland gebündelt werden. Ein solches Programm soll auch gezielte Mitbestimmungs- und Mitwirkungschancen von benachteiligten Kindern und Jugendlichen sowie Maßnahmen zu einer besseren Aufnahme und Integration von Flüchtlingskindern beinhalten. An dem Kongress, den das Deutsche Kinderhilfswerk gemeinsam mit dem SpielTiger e.V., der Stiftung Das Rauhe Haus und der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie veranstaltet hat, haben rund 100 Wissenschaftler und Praktiker aus der Kinder- und Jugendhilfe teilgenommen.

Schwerpunkt des Kongresses war zudem die Bündelung sowie die regionale und überregionale Vernetzung der zahlreichen lokalen Initiativen gegen Kinderarmut. Außerdem wurden bestehende praxisorientierte Handlungsansätze daraufhin untersucht, inwiefern sie zur Bekämpfung der Kinderarmut beitragen können. Hier stellten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer fest, dass eine stärkere Vernetzung und Entwicklung fachlicher Qualitäten dazu beitragen kann, den Folgen von Kinderarmut etwas entgegen zu setzen. Gleichzeitig sind die Kommunen in der Verantwortung, Mittel bereit zu stellen.

„Der Kinderarmutskongress hat deutlich gezeigt, dass wir an vielen Stellen dicke Bretter bohren müssen“, erklärt Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes. „Es kann nicht angehen, dass Projekte mehr mit der Sicherung der eigenen Existenz befasst sind als mit der inhaltlichen Arbeit. Hierfür tragen die Kommunen die Verantwortung und dürfen von Bund und Ländern nicht im Stich gelassen werden.“

Jedoch wurde auch deutlich, dass es viele gute Initiativen zur Bekämpfung der gravierenden und vielfältigen Folgen von Kinderarmut gibt: „In unserem Projekt Kinderzeit wie auch in allen anderen Initiativen verbindet sich die Hoffnung, Kinder aus der Armutsspirale herauszuholen, also die Vererbbarkeit von Armut zu reduzieren“, sagt Katrin Haider-Lorentz, stellvertretende Leiterin des Stiftungsbereiches Kinder- und Jugendhilfe im Rauhen Haus. Dennoch fehle so etwas wie ein nationaler Plan zur Bekämpfung von Kinderarmut.

Eine im letzten Jahr vom Deutschen Kinderhilfswerk veröffentlichte repräsentative Umfrage hat ergeben, dass 72 Prozent der Bundesbürger der Ansicht sind, staatliche und gesellschaftliche Verantwortungsträger würden „eher wenig“ oder „sehr wenig“ tun, um Kinderarmut wirkungsvoll entgegenzutreten. Dabei kommt eine große, die Parteigrenzen überschreitende Mehrheit zu der Aussage, Staat und Gesellschaft engagierten sich zu wenig gegen Kinderarmut. Zugleich wären 66 Prozent der Befragten bereit, mehr Steuern zu bezahlen, wenn damit das Problem der Kinderarmut in Deutschland wirksam bekämpft würde.

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