»Kollaborationen«

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Dem American Postmodern Dance, einer historisch folgenreichen Tanzbewegung, bieten das Beethovenfest Bonn und die Kölner Philharmonie in diesem August und September eine gemeinsame Bühne . »Kollaborationen« heißt dieser Programmschwerpunkt, mit dem die beiden zentralen »Klassik«-Institutionen der Region eine amerikanische Tanz-Revolution präsentieren, die im rheinischen Raum mit seinem Akzent auf dem »Tanztheater« viel zu wenig wahrgenommen und rezipiert worden ist. In sehr unterschiedlichen Formaten ? vom Bühnenstück über die Ausstellung bis zur Stadtaktion ? sollen der Postmodern Dance und sein Bezug zur Musik zu neuem Leben erweckt und seine Wirkung und Weiterführung in der Gegenwart dargestellt werden.
»Kollaborationen« ? der Titel des Gemeinschaftsprojektes Köln-Bonn ist auch inhaltlich verbindlich. Denn die Zusammenarbeit, die wechselseitige Inspiration von Tänzern, Musikern, bildenden Künstlern und Literaten ist es, die am Anfang der neuen Bewegung zu Beginn der 1960er Jahre stand, initiiert von den ästhetischen Maximen des Komponisten John Cage. Der legendäre Auftritt der Teilnehmer eines John-Cage-Workshops im Juli 1962 in der New Yorker Judson Memorial Church begründete den amerikanischen Postmodern Dance. Hier wurde vor allem der Improvisation und der »Alltagsbewegung« als künstlerisch relevanten Parametern erstmals Raum gegeben. Auf betont nicht-hierarchische, demokratische Arbeit im Kollektiv realisierte man künstlerisch, was gesellschaftlich noch Utopie war (und ist!). Das produktive Umfeld des Postmodern Dance ließ laborhafte Strukturen entstehen, bei denen Tanzkünstler in intensiven Arbeitskontakt mit Kollegen aus der Musik und den Bildenden Künsten traten ? mit La Monte Young, Philip Glass, Yoko Ono, Robert Rauschenberg oder Claes Oldenbourg.
In Nordrhein-Westfalen ist die Entwicklung des zeitgenössischen Tanzes immer besonders intensiv beobachtet und aufgenommen worden. Angesichts der regionalen Dominanz des deutschen Tanztheaters ? etwa dem von Pina Bausch oder Reinhild Hoffmann ? geriet der amerikanische Postmodern Dance eher in den Hintergrund. Der schleichende Niedergang der ehemaligen »Tanzstadt Köln« und die Auflösung der beiden Tanzcompagnien am Kölner und Bonner Opernhaus vor vielen Jahren verstärkten den Bedeutungsverlust, den die Tanzsparte in der Region erlitten hat.
Dem wollen das Beethovenfest Bonn und die Kölner Philharmonie entgegenwirken. »In dreifacher Hinsicht wollen wir Akzente setzen«, erläutert Beethovenfest-Intendantin Nike Wagner. »Gemeinsam wollen wir die immer noch sehr rege Tanzszene in der Region stärken, der Bewegung des amerikanischen Postmodern Dance und seiner zentralen Bedeutung für die zeitgenössische Musik und bildende Kunst ein Forum geben und darüber hinaus vor Augen führen, wie fruchtbar eine gegenwartsbezogene gemeinsame Programmarbeit über die Institutionen hinweg sein kann.«
Im Anschluss an die Kölner Veranstaltungen wird beim Beethovenfest am 10. und 11. September um 20 Uhr in der Oper Bonn das bahnbrechende Stück DANCE zu sehen sein, ein Werk der Tänzerin, Choreographin und Musiktheater-Regisseurin Lucinda Childs, entstanden 1979 in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Philip Glass und dem Konzept-Künstler Sol LeWitt. Aufgeführt wird eine Neufassung des Stücks von 2009, für das der Minimal-Music-Soundtrack neu eingespielt und auch der Film überarbeitet wurde. Die Tänzer der Originalbesetzung ? über die Videoeinspielung in die Gegenwart geholt ? bewegen sich nun gemeinsam mit ihren jungen Kollegen auf der Bühne.
Vom 11. September bis zum 23. Oktober zeigt das Kunstmuseum Bonn die Ausstellung »sound move« der Choreographin, Tänzerin und bildenden Künstlerin Simone Forti. Hier werden Werke einer der vielseitigsten Künstlerinnen des amerikanischen Postmodern Dance präsentiert: Objekte, Videos, Tonaufnahmen, Fotoprojektionen und musikalische Installationen, die das Interesse an der Wechselwirkung von Musik, Sound und Bewegung seit den 1960er Jahren dokumentieren. Vertieft und ergänzt wird die Ausstellung durch einen Einführungsvortrag, durch Führungen und regelmäßige Re-Enactments der choreographischen Originale durch Studierende und Alumni der Hochschule für Musik und Tanz Köln.
Und es geht in die Gegenwart: Das Beethovenfest Bonn macht anschaulich, wie die Ideen des Postmodern Dance weitergedacht werden. Der Konzept- und Performance-Künstler Frank Willens wird zusammen mit weiteren jungen Künstlern das Kunstmuseum zu einem Labor umgestalten. Mit den Räumen und Grenzen, mit der »Kunst« innen und dem »Alltag« draußen wird künstlerisch-spielerisch umgegangen. Einblicke in diese »offene« Arbeit sind zwischen dem 13. und 23. September täglich um 16.30 Uhr zu sehen. Die Ergebnisse des Künstlerlabors werden in einer Abschlussveranstaltung am 24. September um 16.30 Uhr präsentiert.
Die geographische Nähe Köln/Bonn macht eine Performance im Sonderwagen der Straßenbahnlinie 16 fruchtbar. Am 10. September um 17 Uhr startet an der Haltestelle »Breslauer Platz« in Köln eine Sonderfahrt bis zur Station »Universität/Markt« in Bonn, die von Studierenden und Alumnis der Kölner Kunsthochschulen mit Interaktionen von Tanz, Musik und bildender Kunst bespielt wird. Endstation dieser Reise ist die in Bonn stattfindende Gastspielpremiere von Lucinda Childs? »Dance«.
Eine eigene Broschüre vereint sämtliche Veranstaltungen der »Kollaborationen« inklusive aller Vortrags- und Einführungstermine und kann unter info@beethovenfest.de sowie telefonisch unter 0228-20 10 30 angefordert werden. Informationen und Eintrittskarten zu sämtlichen Veranstaltungen der »Kollaborationen« in Bonn und Köln unter www.beethovenfest.de und www.koelner-philharmonie.de.

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