Kroatien: Hoffnung auf späte Gerechtigkeit für Mord an deutschem Reporter

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Mehr als 25 Jahre nach der Ermordung des deutschen
Journalisten Egon Scotland im Kroatienkrieg beginnt am (morgigen)
Dienstag im kroatischen Split der Prozess gegen den mutmaßlich
Verantwortlichen. Eine serbische Miliz unter dem Kommando des jetzt
angeklagten Dragan Vasiljkovic kontrollierte die kroatische Stadt
Glina, als ein Scharfschütze dort am 26. Juli 1991 den Reporter der
Süddeutschen Zeitung erschoss. Im Gedenken an Scotland gründeten
Freunde und Kollegen 1993 den Verein Journalisten helfen Journalisten
(http://journalistenhelfen.org), der seitdem unbürokratische Hilfe
für verfolgte und bedrohte Journalisten weltweit organisiert. Auch
für die Gründung der deutschen Sektion von Reporter ohne Grenzen
(ROG) ein Jahr später war sein Tod ein Anstoß.

„Der bis heute ungesühnte Mord an Egon Scotland ist zum Sinnbild
für die Gewalt gegen Journalisten geworden, mit der viele moderne
Kriegsherren das Recht der Öffentlichkeit auf unabhängige
Informationen brutal bekämpfen“, sagte ROG-Geschäftsführer Christian
Mihr. „Dass diese Tat jetzt endlich von einem Gericht aufgearbeitet
wird, macht Hoffnung: Ein klares Urteil in diesem Fall wäre ein
wichtiges Signal gegen die Straflosigkeit, durch die sich die Feinde
der Pressefreiheit zu immer neuen Gewalttaten ermutigt fühlen.“

IM KROATIENKRIEG STARBEN MINDESTENS 25 JOURNALISTEN

Die von Vasiljkovic angeführte Miliz hatte Glina am 25. Juli 1991
eingenommen. Scotland wollte dort am Tag darauf zusammen mit einem
Kollegen nach einer vermissten Reporterin des österreichischen
Fernsehens suchen. Wenige Hundert Meter vor der Stadt wurde er auf
dem Beifahrersitz eines als Pressefahrzeug gekennzeichneten Autos
tödlich von einer Kugel getroffen (http://t1p.de/31cg). Scotland war
einer der ersten von mindestens 25 Journalisten, die in den
jugoslawischen Zerfallskriegen von 1991 bis 1995 allein in Kroatien
wegen ihrer Arbeit getötet wurden (http://t1p.de/5p4f).

Vasiljkovic, der als Milizenführer unter dem Kriegsnamen „Kapetan
Dragan“ bekannt wurde, lebte nach dem Ende des Krieges unter falschem
Namen in Australien, dessen Staatsbürgerschaft er neben der
serbischen hat. 2005 enttarnte ihn dort eine australische
Journalistin (http://t1p.de/yhox). Nach neun Jahren Rechtsstreit
wurde Vasiljkovic im Juli 2015 nach Kroatien ausgeliefert, wo er sich
vor einem auf Kriegsverbrechen spezialisierten Gericht in der Stadt
Split verantworten muss. Neben dem Mord an Egon Scotland werden ihm
Folter und Mord an kroatischen Kriegsgefangenen sowie der Tod
weiterer Zivilisten bei der Eroberung von Glina zur Last gelegt. Im
Falle eines Schuldspruchs drohen ihm bis zu 20 Jahre Haft. Bei einer
Voranhörung im Juli plädierte er auf nicht schuldig
(http://t1p.de/lf05).

Auf der jährlichen Rangliste der Pressefreiheit steht Kroatien auf
Rang 63 von 180 Staaten. Weitere Informationen zur Situation von
Journalisten in Kroatien finden Sie unter
www.reporter-ohne-grenzen.de/kroatien, mehr zum Einsatz von Reporter
ohne Grenzen gegen Straflosigkeit für Verbrechen an Journalisten
unter www.reporter-ohne-grenzen.de/themen/straflosigkeit.

Unter http://t1p.de/2tv5 finden Sie den kürzlich erschienenen
ROG-Länderbericht „Kroatien: Medienfreiheit in turbulenten Zeiten“
zur aktuellen Lage der Medienfreiheit in dem Balkanland.

Pressekontakt:
Reporter ohne Grenzen
Ulrike Gruska / Christoph Dreyer / Anne Renzenbrink
presse@reporter-ohne-grenzen.de
www.reporter-ohne-grenzen.de/presse
T: +49 (0)30 609 895 33-55
F: +49 (0)30 202 15 10-29

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