Lausitzer Rundschau: Armutszeugnis für Europa Zur sozialen Ausgrenzung der jüngeren Generation in einigen EU-Ländern

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Erinnert sich noch wer? Die Kameras hatten alle
Mühe, sämtliche EU-Spitzenvertreter gemeinsam aufs Bild zu bringen.
Keiner wollte abseits stehen. Schließlich ging es um ein Mega-Thema:
der extrem hohen Jugendarbeitslosigkeit in Europa endlich den Kampf
anzusagen und für Besserung zu sorgen. So war das im Sommer vor zwei
Jahren bei einem Gipfeltreffen im Berliner Kanzleramt. Und heute? Das
Gipfeltreffen ist längst Geschichte. Nur der „Gipfel“, den es
abzutragen galt, erreicht immer noch schwindelerregende Höhen: In
Spanien ist aktuell fast jede zweite Erwerbsperson im Alter zwischen
15 und 25 arbeitslos. In Griechenland ist die Lage genauso
dramatisch. Und selbst in Italien liegt die entsprechende Quote bei
fast 41 Prozent. Da verwundert es auch nicht, dass die
Bertelsmann-Stiftung die jüngere Generation Europas in einer
aktuellen Studie zu den großen Verlierern der jüngsten Wirtschafts-
und Schuldenkrise zählt. Allein fast jeder dritte unter 18-Jährige
ist demnach von Armut bedroht – ein Armutszeugnis für die EU. Kinder
und Jugendliche sind die Zukunft eines Landes. So gesehen haben weite
Teile des alten Kontinents ein Riesen-Problem. Und selbst Deutschland
hat keinen Grund, sich in Selbstzufriedenheit zu sonnen. Zum Glück
erreicht zwar die Jugendarbeitslosigkeit nur einen Bruchteil des
Ausmaßes in Spanien oder Griechenland. Deutschland ist hier sogar
Klassenbester in der EU. Aber in der Gesamtbewertung der Experten,
die auch Aspekte wie Bildung oder Generationengerechtigkeit
einschließt, ist noch viel Luft nach oben. Auch das kann kaum
verwundern. Denn nicht erst seit der Bertelsmann-Studie ist bekannt,
dass der Bildungserfolg in keinem entwickelten Industriestaat so
stark vom Geldbeutel der Eltern abhängt wie in Deutschland. Nach
Angaben des Deutschen Studentenwerks beginnen 77 von 100 Kindern aus
Akademiker-Haushalten ein Hochschulstudium. Bei den weniger
gebildeten Haushalten sind es nur 23. Und selbst studierte
Arbeiterkinder sind deshalb noch lange nicht über den Berg. Zum
Beispiel dann, wenn es um ein unbezahltes Praktikum geht. Ohne
finanzielle Unterstützung der Eltern läuft da wenig. Aber das muss
man sich eben auch leisten können. Chancengleichheit? Sehr schwierig.
Dabei könnten die aktuellen Flüchtlingsströme diese soziale
Abgrenzung sogar noch weiter zementieren, falls sich das deutsche
Bildungssystem nur stiefmütterlich um die Kinder und Jugendlichen aus
Syrien oder Afghanistan kümmert. Nicht nur die südeuropäischen
Krisenstaaten müssen vom Gipfel auf den Boden der Tatsachen kommen.
Auch Deutschland kann für seine junge Generation noch eine Menge mehr
tun.

Pressekontakt:
Lausitzer Rundschau

Telefon: 0355/481232
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