Lausitzer Rundschau: Brandgefährlich Zum Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs durch die Türkei

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Nun ist es passiert. Der Abschuss eines russischen
Kampfflugzeugs durch die türkische Luftwaffe im Grenzgebiet zu Syrien
kommt fast einer Vollzugsmeldung gleich. Überraschen kann allenfalls
der Zeitpunkt, nicht aber die Tatsache selbst. Bereits Anfang Oktober
hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan seinen Moskauer
Amtskollegen Wladimir Putin eindringlich vor einer Eskalation
gewarnt, nachdem russische Jets den türkischen Luftraum wiederholt
verletzt hatten. Wer Erdogan und seine kompromisslose Art, Politik zu
machen, kennt, musste wissen, dass er seine Warnungen ernst meinte.
Es war klar, dass er einem militärischen Konflikt mit Russland nicht
ausweichen würde, wie dies die EU in der Krim-Krise getan hat.
Solches Denken und Handeln ist Erdogan fremd, ebenso wie Putin,
dessen harsche Reaktion („Das wird Konsequenzen haben!“) nun
ebenfalls ernst zu nehmen ist. Der Zeitpunkt der Konfrontation ist
deshalb überraschend, weil sich Russland und die Nato-Staaten nach
dem Bombenanschlag auf ein russisches Passagierflugzeug und den
Terrorattacken von Paris zuletzt im Kampf gegen den IS näher zu
kommen schienen. Tatsächlich prallen die Interessengegensätze
zwischen Moskau und Ankara in Syrien frontal aufeinander. Putin
steht, im Schulterschluss mit dem Iran, hinter dem syrischen
Kriegsherrn Baschar al-Assad. Erdogan unterstützt, mit Ausnahme der
Kurden, Assads Gegner. Insbesondere erfüllt die Türkei seit Längerem
die Rolle einer Art Schutzmacht für die turkmenische Minderheit in
Syrien, die zuletzt mehrfach Ziel russischer Angriffe war. Noch etwas
Persönliches kommt hinzu: Putin und Erdogan sind sich in mancher
Hinsicht wesensnah. Beide sind machtbewusst bis hin zum Größenwahn
und skrupellos. Beide regieren fragile Großreiche, in denen die
eigene autoritäre Machtposition keine Selbstverständlichkeit ist.
Beide müssen ihre Kraft ständig beweisen, und sie tun es im Kampf.
Genau das macht die aktuelle Konfrontation so brandgefährlich.

Pressekontakt:
Lausitzer Rundschau

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