Lausitzer Rundschau: Die Bombenanschläge und ihre Folgen: Das lange Echo aus Boston

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Noch ist in den USA die Diskussion über die
Bombenanschläge von Boston vor allem von Gefühlen der Erleichterung
und von trotziger Zuversicht bestimmt. Die USA wurden von einer Art
des hausgemachten Schreckens heimgesucht, den die Menschen nur schwer
einordnen können. Doch allmählich kommen nach der Erleichterung die
quälenden Fragen. Es beginnt eine neue Debatte über die
Einwanderungsgesetze. Und die Bundespolizei FBI sieht sich vor der
Herausforderung, zu erklären, ob sie nicht schon 2011 nach russischen
Hinweisen hätte handeln müssen. Natürlich gibt es auch Forderungen
nach einer erneuten Verschärfung von Gesetzen und
Überwachungsmaßnahmen. Die gibt es nach solchen Ereignissen jedes Mal
und überall. Auch in Deutschland wird diskutiert, ob man die
Videoüberwachung ausweiten muss. Derzeit schwankt die Stimmung noch
zwischen Aufregung und Besonnenheit. Aber es spricht einiges dafür,
dass sich eine Mehrheit durchsetzen wird, die keine einschneidenden
innenpolitischen Veränderungen will. Für Verunsicherung sorgen in den
USA auch andere, nicht politisch motivierte Gewalttaten. Die Tragödie
in Boston erinnert viele an den tödlichen Amoklauf an einer
Grundschule und auch daran, dass es offenbar dagegen keine
angemessene Antworten gibt. In Boston waren vergleichsweise wenig
Opfer zu beklagen, die Fahndung nach den möglichen Tätern war in
kurzer Zeit erfolgreich und in diese Fahndung waren die neuen Medien
in bislang unbekannter Weise und erfolgreich einbezogen. In anderer
Hinsicht allerdings wird Boston ein langes und starkes Echo haben.
Klar ist schon jetzt: Die erregte Debatte über das Waffenrecht wird
weitergehen. Sicher ist aber, dass die Diskussionen nicht überlagert
werden durch Versuche, jetzt die Gefahr terroristischer Anschläge zu
überzeichnen. Und es gibt ein weiteres, starkes Echo. Je mehr über
die Motive der Täter bekannt wird, umso wichtiger wird die Frage
werden, wie die USA mit der Verknüpfung von Religion und politischer
Gewalt umgeht. Das Land ist wegen der starken religiösen Orientierung
einer Vielzahl von Einwohnern nachhaltig verunsichert durch Taten,
bei denen auch die religiöse Identität der Täter eine Rolle spielen
könnte. Viele Amerikaner erfahren jetzt zum ersten Mal einiges über
die ethnischen und religiösen Hintergründe der Konflikte im Kaukasus
und versuchen diese einzuordnen in ein sowieso nur schemenhaftes Bild
der Welt des Islam. Dadurch aber kann Boston nachhaltige Auswirkungen
auf die Außenpolitik der USA haben. 

Pressekontakt:
Lausitzer Rundschau

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