Lausitzer Rundschau: Die Krise der Republikaner Zu den Ergebnissen des Super Tuesday in den USA

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Manchmal klingt es fast schon wie ein Abgesang auf
die „Grand Old Party“. Während der selbstverliebte Geschäftsmann
Donald Trump von Vorwahlsieg zu Vorwahlsieg eilt, lässt er die
Strategen der Republikaner in einer Seelenlage zurück, die irgendwo
zwischen Panik und Ratlosigkeit, zwischen Wunschdenken und Depression
pendelt. Von einem Zerfall der Partei ist die Rede, von
Selbstauflösung und Spaltung und der feindlichen Übernahme durch
einen egozentrischen Bauunternehmer, den besagte Strategen im
vergangenen Sommer allenfalls als Störfaktor empfanden. Als einen
notorischen Aufschneider, der sicher schon bald über seine eigene
rhetorische Plumpheit stolpern würde. Monatelang wurde Trump
unterschätzt, auch von den allermeisten Kommentatoren, den Verfasser
dieser Zeilen eingeschlossen. Nun ist er kaum noch zu stoppen. Falls
kein Wunder geschieht, wird er der Kandidat der Konservativen für die
Nachfolge Barack Obamas. Um zu ermessen, was für ein Drama sich da
gerade bei den Republikanern abspielt, sollte man einen kurzen Blick
auf die personelle Vorgeschichte werfen. Seit Dwight Eisenhower 1952
das Votum gewann, haben sie keinen Kandidaten aufgeboten, der nicht
zuvor in einem Wahlamt politische Erfahrung gesammelt hätte. Und
Eisenhower hatte als General eine lange militärische, im Grunde
politische Karriere hinter sich, schon deshalb lässt er sich mit
Trump nicht vergleichen. Selbst Barry Goldwater, der erzkonservative
Rebell, der 1964 im internen Wettstreit mit Nelson Rockefeller eine
Säule des gemäßigten Establishments besiegte, ist zuvor eine Zeit
lang Senator gewesen. Trump ist ein Neuling auf dem politischen
Parkett, eine komplett unberechenbare Größe. So etwas gab es noch nie
in der jüngeren Wahlgeschichte der Vereinigten Staaten. Außerdem
läuft sein Programm, sofern man bei seinen Versprechen überhaupt von
einem Programm reden kann, allem zuwider, was die Republikaner an
Reformbedarf für sich erkannten. Nach der Niederlage Mitt Romneys im
Duell ums Weiße Haus rieten ihre klügeren Köpfe dringend dazu, sich
der Realität der Vereinigten Staaten anzupassen, vor allem der
Wirklichkeit des demografischen Wandels. Stellten weiße Amerikaner
1980 noch 91 Prozent der Stimmberechtigten, so waren es 2012 nur noch
72 Prozent, und im Herbst 2016 werden es 68 Prozent sein. Zu alt, zu
männlich, zu weiß sei die Partei, hieß es nach Romneys Schlappe. Mit
einer Sprache, die Hispanics, Afroamerikaner und Immigranten
asiatischer Herkunft weitgehend ausgrenze, lasse sich kein Blumentopf
mehr gewinnen. Und nun kommt Trump, spricht vom Mauerbau an der
Grenze zu Mexiko, verklärt das alte, unangefochten von Weißen
beherrschte Amerika, bedient sich unterschwelliger Ressentiments und
stößt die ethnischen Minderheiten damit noch mehr vor den Kopf. In
den Augen der Parteistrategen kann es nur auf eine Niederlage im
Wahlfinale hinauslaufen. Nur scheint es inzwischen zu spät, den Zug
noch anzuhalten.

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