Lausitzer Rundschau: Europa ist nicht erpressbar Zum Ausgang des Griechenland-Referendums

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Geld ist nur Papier und eine Währung nur ein
Versprechen – auf die Stabilität des Systems, das sie ausgibt. Dieser
Grundsatz gilt auch für den Euro. Wenn nun die Erpressungsmethode von
Alexis Tsipras Erfolg haben sollte, zerbricht die Gemeinschaft, die
die Grundlage der Gemeinschaftswährung ist. Dann verliert der Euro in
der Folge seinen Wert und wird weich. Weil das nicht kommen darf,
muss jetzt Schluss sein mit dem bösen Spiel. Das ist das
Griechisch-Tragische an der seit Sonntag entstandenen Lage: Tsipras–
Manöver hat zwar das griechische Volk mobilisiert und seine eigene
Position gestärkt – zugleich aber eine Verhandlungslösung faktisch
unmöglich gemacht. Die Methode von Syriza lautete: Man muss nur
entschlossen genug „Nein“ rufen, dann knicken die Geldgeber ein. Das
Vertrauen in die Gemeinschaftswährung aber wäre weit über
Griechenland hinaus erschüttert, wenn diese Methode Erfolg hätte. Ein
Nachgeben würde bedeuten: Diese Währung ist abhängig von politischen
Emotionen. Und das auf einem höchst komplizierten
Vielvölkerkontinent. Von so etwas lässt jeder Anleger lieber die
Finger. Dass Gianis Varoufakis aus den Verhandlungen zurückgezogen
wird, ist nur ein weiterer Schachzug Tsipras–. Er wird nichts mehr
nutzen. Auch andere Länder der Eurozone sind Demokratien, haben
Parlamente, haben Völker. Und die lassen sich auf diese Art und Weise
nicht erpressen. Selbst wenn Merkel, Juncker und Dijsselbloem am
Verhandlungstisch einknicken wollten. Dabei ist die andere, bittere
Seite der Wahrheit, dass die Forderung nach einer Umschuldung sogar
berechtigt ist und ein solcher Schritt schon lange nötig gewesen
wäre. Dass diese Wahrheit den Deutschen und Europäern auch von Angela
Merkel so lange absichtlich vorenthalten wurde, gehört auch mit auf
die politische Schlussabrechnung. Freilich hätte ein solcher Schritt
mit einem Reformprogramm verbunden sein müssen, für das in Athen die
Partner in der Vergangenheit fehlten und bis heute fehlen. Die
Griechenland-Krise war und ist eine total verfahrene Kiste. Es ist an
der Zeit, sie so geordnet wie möglich zu beenden. Jedenfalls sollte
man das Drama nicht noch weiter verlängern. Das griechische Volk hat
entschieden. Es hat Nein gesagt. Das Experiment Euro ist damit
vorbei. Die Gläubiger müssen ihre Schulden wohl abschreiben. Ab jetzt
geht es nur noch um den Übergang, um Nothilfen – und um den
Wiederaufbau. Denn Griechenland ist ein Kernland Europas. Es muss
eine zweite Chance bekommen.

Pressekontakt:
Lausitzer Rundschau

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