Lausitzer Rundschau: Gefangene ihrer eigenen Tabus – In der Schuldenkrise sind Athen und die Gläubiger unfähig zu handeln

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Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie
Griechenland betreffen. In Abwandlung des geflügelten Wortes über die
Zukunft ist Vorsicht geboten. So oft schon standen in den vergangenen
Jahren eine griechische Staatspleite und ein Athener Ausscheiden aus
der Währungsunion angeblich unmittelbar bevor, dass sich der
Alarmismus verbraucht hat. Es spricht jedoch einiges dafür, dass
dieses Szenario nun tatsächlich Realität wird. Die Gespräche zu den
Bedingungen weiterer Finanzhilfe sind in einer Sackgasse gelandet.
Statt konstruktiver Vorschläge werden Vorwürfe ausgetauscht. Und das,
obwohl die Uhr tickt. Mit Realitätsverweigerung und Ideologie kennen
sich beide Seiten aus. Das ewige Beharren, die Reformrezepte hätten
anderswo doch funktioniert, ignoriert, dass den Griechen die
industrielle Basis für einen exportbasierten Aufschwung fehlt. Und
wenn nichts mehr hilft, heißt es, Europa sei keine Transferunion –
die wohl größte Lebenslüge: Die EU wird Griechenland auf Jahre hinaus
mitfinanzieren müssen – unabhängig davon, ob es im Euroraum bleibt
oder nicht. Eurogegner mögen jubilieren, da ein Grexit nun so nahe
scheint. Tatsächlich könnten die ökonomischen Folgen für den Rest der
Eurozone beherrschbar sein. Zumindest der politische Schaden wird
gewaltig sein: Der Zweifel am endgültigen Charakter der EU würde neu
gesät. Und auch Deutschland als stärkste EU-Macht stünde am Pranger,
all das nicht verhindert zu haben.

Pressekontakt:
Lausitzer Rundschau

Telefon: 0355/481232
Fax: 0355/481275
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