Lausitzer Rundschau: Kollektiv und Individualverkehr Zur Frage, ob Auto, Vernunft und Klima zusammenpassen

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Jetzt wird es heikel für viele Leser, vielleicht
werden einige sogar wütend werden. Es geht um einen Appell an die
Autofahrer. Genauer gesagt um die Forderung, dass sie nicht mehr Auto
fahren sollen. Die meisten werden jetzt einen Vogel zeigen. Und
einige werden sagen: Ist der Fleischkonsum etwa nicht schädlich für
das Klima? Da wird es heikel für den Kommentator. Fakt ist: Jeder
weiß – oder kann es mit einem Mausklick wissen – dass die Welt es
nicht aushalten wird, wenn alle so Auto fahren wollen wie wir. Leider
wollen das aber fast alle. Und trotzdem gibt es nicht die geringste
Bereitschaft, das eigene Verhalten zu ändern. Vielerorts gibt es dazu
freilich auch schon nicht mehr die Möglichkeit, sondern bloß noch
Straßen und keine Schienen oder Radwege. Die Vernunft der Einzelnen
wird die Welt nicht retten, mag jeder individuelle Verzicht auch
löblich sein. So viele Kirchentage kann es gar nicht geben, zumal
starke wirtschaftliche Kräfte immer neue Nachfrage erzeugen. Die
meisten haben einen Geländewagen ja nicht, weil sie Förster sind.
Sondern weil sie ihn sich leisten können. Und auch das Benzin, das er
verbrennt, erst recht, wo es wieder so billig ist. Zwei Tonnen
schwere Maschinen transportieren unter massiver Belastung der Umwelt
ein 80-Kilo-Persönchen von A nach B. So richtig klug ist das nicht.
Gilt trotzdem als schick. Die Vernunft kann nur kollektiv einziehen,
als Schwarm-Intelligenz. Und also über staatliche Entscheidungen.
Wir sind nicht fähig, uns selbst einzuschränken, aber wohl fähig, bei
Wahlen für Parteien zu stimmen, die den ausufernden Individualverkehr
beschränken wollen. Weil der, nicht wahr, ja auch für uns Autofahrer
unerträglich ist, wenn wir an seinen Straßen wohnen müssen, wenn
unsere Kinder Angst haben müssen, wenn unsere Städte davon so
dominiert sind, sodass wir sehr weit fahren müssen, um Ruhe zu
finden. Vom Klimawandel nicht zu reden. Wir sind fähig, für eine
Verkehrspolitik zu stimmen, die uns das Umsteigen auf öffentliche
Transportmittel erleichtert oder das Fahrrad fahren. Hilft auch gegen
Verfettung nach zu viel Fleischkonsum. Wir können für eine Politik
votieren, die Elektroautos fördert oder Car-Sharing. Ja, wir könnten
unsere Gewohnheiten gemeinsam langsam ändern und fänden das am Ende
womöglich praktischer als heute, vielleicht sogar trendig. Wer das
teilt, sollte bei der nächsten Wahl stärker als bisher auf die
verkehrspolitischen Konzepte schauen und nicht zögern.

Pressekontakt:
Lausitzer Rundschau

Telefon: 0355/481232
Fax: 0355/481275
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