Lausitzer Rundschau: Putins Makel Russischer Präsident soll Litwinenko-Mord gebilligt haben

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Wladimir Putin klagt oft und gern darüber, dass
der Westen ihm und seinem Land zu wenig Vertrauen entgegenbringe.
Insbesondere die USA würden das Wort Partnerschaft ständig im Mund
führen, im operativen Geschäft aber eine knallharte Interessenpolitik
betreiben. Das mag stimmen. Davon unabhängig gibt es aber handfeste
Gründe, dem russischen Präsidenten zu misstrauen – übrigens weit mehr
als seinem Land und den Menschen dort. Selbst wer die Annexion der
Krim, den Bruch des Völkerrechts und die offenen Lügen in dem
Konflikt („keine russischen Soldaten in der Ukraine“) als Geopolitik
mit den hybriden Mitteln des 21. Jahrhunderts einstuft, kommt bei
der Bewertung Putins und seiner Regentschaft nicht an all den
politischen Morden und Schauprozessen vorbei, die längst zum
Kennzeichen des Putinismus geworden sind. Die Liste ist lang. Sie
umfasst die Namen Politkowskaja, Litwinenko, Chodorkowski, „Pussy
Riot“, Nawalny und Nemzow, um nur die prominentesten Opfer zu nennen.
Noch immer gibt es auch Stimmen in Russland, die Putin eine
Mitwisserschaft an den Sprengstoffanschlägen des Jahres 1999 mit mehr
als 300 Toten zusprechen. Der Terror rechtfertigte damals den
Tschetschenien-Krieg und ebnete dem früheren Geheimdienstchef Putin
indirekt den Weg in den Kreml. Einer, der mehr als eine
Mitwisserschaft Putins behauptete, war der abtrünnige FSB-Offizier
Alexander Litwinenko. Nun hat eine britische Untersuchung ergeben,
dass Litwinenko 2006 einem Mordanschlag zum Opfer gefallen ist, den
Putin gebilligt haben soll. Die Betonung liegt auf „haben soll“, denn
auch diesmal gibt es keinen letztgültigen Beweis für Putins
Täterschaft – ein Mordauftrag ist mehr als ein bloßes Mitwissen und
Geschehenlassen. Das Schlimme an all dem aber ist, dass das Szenario,
das die Briten beschreiben, höchst plausibel erscheint, ja, es liegt
geradezu auf der Hand. Es liegt genauso auf der Hand wie die Frage,
warum Boris Nemzow 2015 in unmittelbarer Nähe des hochgesicherten
Kreml-Areals ermordet werden konnte. In den Naturwissenschaften gilt
grundsätzlich: Je einfacher eine Theorie ist, desto wahrscheinlicher
ist ihre Richtigkeit. Was genau Putin in den genannten Fällen wusste
und/oder anordnete oder nicht, werden wir vermutlich nie erfahren.
Die Mord- und Schandtaten werden aber an ihm haften bleiben. Sie sind
sein Makel.

Pressekontakt:
Lausitzer Rundschau

Telefon: 0355/481232
Fax: 0355/481275
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