Lausitzer Rundschau: Sandkastenspiele Zum Großmanöver „Anakonda“ in Polen

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Angefangen haben bekanntlich immer die anderen.
Das ist, wenn es zum Streit kommt, nicht nur bei Kinderspielen im
Sandkasten so, sondern auch auf Ebene der Staaten. Das
Nato-Großmanöver „Anakonda“, das gestern in Polen begann und zur
besseren Tarnung nicht Nato-Manöver heißen darf, ist genau ein
solcher Fall. Es gehe, heißt es bei der Nato, einzig und allein
darum, den Ernstfall zu proben – den Ernstfall der Verteidigung,
wohlgemerkt. Wer der potenzielle Angreifer ist, ist auch klar:
Russland, was aber in Nato-Kreisen ebenfalls niemand laut sagt, weil
man sich damit den Vorwurf der Provokation einhandeln könnte. Auch
das hat Sandkastenniveau. Was also soll das Ganze? „Anakonda“ ist
eine große Show, die zuallererst an das Publikum im östlichen
Mitteleuropa gerichtet ist, insbesondere an die Polen und die Balten.
In deren Ländern grassiert seit der Eskalation der Ukraine-Krise eine
real existierende Angst: die Angst vor einer russischen
Militärinvasion. Man kann das durchaus verstehen. Die vom Kreml
gesteuerte Annexion der Krim trug den Charakter eines
Angriffskrieges, wenn auch im Stil einer modernen, hybriden
Kriegsführung. Im ostukrainischen Donbass wiederholte sich das
Szenario, und so stellen die Osteuropäer zu Recht die Frage: Wer kann
garantieren, dass etwas Vergleichbares nicht in den baltischen
Staaten mit ihren großen russischen Minderheit geschieht – oder im
Zweifel sogar in Polen? Antwort: die Nato. Die genannten Staaten
gehören dem Bündnis seit vielen Jahren an, und laut Artikel 5 des
Nato-Vertrages besteht im Fall eines Angriffs auf jedes noch so
kleine Mitgliedsland eine Beistandspflicht. Das heißt nichts anderes,
als dass die Nato ihre Mitglieder im Osten schützen muss. Russland
würde es bei einem hybriden Angriff auf die Balten oder Polen also
mit der gesamten westlichen Allianz zu tun bekommen, inklusive der
Türkei. Natürlich kann man sich fragen, ob die Nato-Staaten in einen
Weltkrieg ziehen würden, um Riga zu verteidigen wie einst
West-Berlin. Manches spricht für ein „eher nicht“ als Antwort.
Allerdings ändert daran kein noch so großes Großmanöver etwas. Bei
„Anakonda“ handelt es sich deshalb um ein Sandkastenspiel im
Monsterformat, das zu allem Überfluss den notorischen Propagandisten
im Kreml die Chance gibt, mit dem Finger auf andere zu zeigen.

Pressekontakt:
Lausitzer Rundschau

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