Lehren aus dem Abgasskandal: Typzulassung von Pkw reformieren und reale Emissionen messen/Umweltverbände legen Konzept für ein modernes Typzulassungsverfahren vor

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Als Reaktion auf die von Bundesverkehrsminister
Alexander Dobrindt vorgestellten Maßnahmen zur Reformierung des
Typzulassungsverfahrens für Pkw haben führende Umwelt-, Verkehrs- und
Verbraucherschutzverbände heute ein gemeinsames Konzept zur
Modernisierung der Genehmigungspraxis vorgestellt. Die Vertreter von
BUND, Deutscher Umwelthilfe, Greenpeace, NABU und VCD betonten, dass
der gegenwärtige Abgasskandal nicht nur Ausdruck mutwilliger
Täuschungsabsichten auf Seiten der Hersteller sei. Der Skandal zeige
auch, dass das bisherige Typzulassungsverfahren seiner Aufgabe nicht
gerecht werde und die behördlichen Kontrollinstanzen insgesamt
versagt hätten. Das Konzept der Verbände zur Zulassung von neuen
Fahrzeugmodellen sieht in Anlehnung an das US-amerikanische Modell
eine Kombination aus Herstellererklärung, unabhängigen
Kontrollmessungen im realen Fahrbetrieb und empfindlichen Sanktionen
bei Verstößen vor. Dieses Modell der Typzulassung sollte die
Voraussetzung dafür sein, dass Automobilhersteller neue
Fahrzeugmodelle in Serie produzieren und auf den europäischen Markt
bringen können.

Dietmar Oeliger, Leiter Verkehrspolitik des NABU: „Das
Typzulassungsverfahren für Neufahrzeuge muss vom Kopf auf die Füße
gestellt werden. Es macht überhaupt keinen Sinn, weiterhin an der
momentanen Praxis festzuhalten und mit einem riesigen Aufwand
Fantasiewerte auf dem Prüfstand zu erzeugen, die keinerlei
Aussagegehalt für den realen Schadstoffausstoß auf der Straße haben.
Uns interessiert einzig die tatsächliche Emissionsminderung der
Fahrzeuge.“ Es sei daher unabdingbar, den realen Schadstoffausstoß
von auf dem Markt befindlichen Fahrzeugen mittels sogenannter
PEMS-Messungen, einer mobilen Messtechnik zur Auswertung der
Abgaswerte, als „Real Driving Emissions (RDE)“ zu erfassen. Selbiges
gelte auch für die Erfassung des realen Kraftstoffverbrauchs.

Dorothee Saar, Leiterin Verkehr und Luftreinhaltung der Deutschen
Umwelthilfe (DUH), forderte solide Kontroll- und
Sanktionsmechanismen, um die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben zu
garantieren. „Die Einhaltung geltender Grenzwerte darf nicht länger
dem Zufall überlassen werden. Zu viele Städte und damit die Menschen
leiden unter anhaltend hoher Luftbelastung mit giftigen Stickoxiden.
Allein in Deutschland verursacht das Jahr für Jahr mehr als 10.000
vorzeitige Todesfälle. Die Technik zur wirksamen Begrenzung der
Emissionen in allen normalen Fahrzuständen ist längst vorhanden. Es
gibt keinen Grund, länger auf deren verbindlichen Einsatz zu warten.“

Michael Müller-Görnert vom ökologischen Verkehrsclub Deutschland
(VCD) machte deutlich, dass das neue System auch ein höheres Maß an
Transparenz benötige: „Die Kluft zwischen Test- und Realemissionen
ist in den letzten Jahren auch deshalb immer größer geworden, weil zu
viel hinter verschlossenen Türen gemauschelt wurde. Wir fordern, dass
künftig sämtliche Daten, die die Hersteller für die Typgenehmigung
ihrer Fahrzeuge angeben, über eine öffentliche Datenbank kostenlos
zugänglich gemacht werden. Nach dem Motto: Wer nichts zu verbergen
hat, braucht sich nicht zu verstecken. Damit wäre auch die Grundlage
dafür gelegt, dass die EU-Kommission die Arbeit der nationalen
Zulassungs- und Prüfbehörden kontrollieren und zu diesem Zwecke
eigene Messungen vornehmen kann.“

Werner Reh, Leiter Verkehrspolitik beim BUND, erinnerte
eindringlich an die Notwendigkeit, die tatsächliche
Luftschadstoffbelastung, insbesondere in den Städten und
Ballungsräumen zu senken: „Zu viele Städte überschreiten nach wie vor
die bestehenden Luftqualitätsgrenzwerte; besonders bei den
gesundheitsschädlichen Stickoxiden. Die im Schnitt siebenfache
Überschreitung der gesetzlichen Stickoxidgrenzwerte im Realbetrieb
bei modernen Diesel-Pkw mit Euro 6-Motor führt nicht zu einer
Entschärfung der Situation in den Städten, wie mit Einführung der
Abgasnorm ursprünglich erwartet. Wenn die Hersteller den
Schadstoffausstoß ihrer Fahrzeuge nicht tatsächlich auf das Niveau
der Euro-Abgasnormen absenken, sehe ich keine andere Möglichkeit, als
Fahrverbote in dicht besiedelten Gebieten auszusprechen. Nur so wäre
dann das massive Abgasproblem vor allem beim Diesel in den Griff zu
bekommen.“ Geschehe das nicht, seien die Luftreinhaltepläne der
Städte Makulatur.

Die Umweltverbände gehen davon aus, dass ein solches
Typzulassungsverfahren sowohl die Kosten der Hersteller als auch die
der Behörden reduzieren werde. Denn das jetzige Verfahren sei nicht
nur wirkungslos, sondern auch ausgesprochen teuer. Darüber hinaus
hätten sowohl Volkswagen, als auch PSA Peugeot Citroën angekündigt,
unabhängige Abgasmessungen bei ihren Modellen im Realbetrieb
vornehmen zu lassen.

Das Konzept der Umweltverbände finden Sie unter folgendem Link:
https://www.nabu.de/downloads/presse/zukunft-zulassungsverfahren.pdf

Kontakt:

Dietmar Oeliger, Leiter Verkehrspolitik, NABU, Tel. 030.28 49
84-16 13, mobil 0172.92 01 823, E-Mail: Dietmar.Oeliger@NABU.de

Dorothee Saar, Leiterin Verkehr und Luftreinhaltung, DUH, Tel.
030.24 00 86 772, E-Mail saar@duh.de

Michael Müller-Görnert, Referent für Verkehrspolitik, VCD, Tel.
030.29 35 119, mobil 0177.17 02 461, E-Mail:
michael.mueller-goernert@vcd.org

Dr. Werner Reh, Leiter Verkehrspolitik, BUND, Tel. 030.27 58 64
35, mobil 0173.60 71 601, E-Mail: werner.reh@bund.net

Dr. Axel Friedrich, Internationaler Verkehrsberater, mobil
0152.29483857, E-Mail: axel.friedrich.berlin@gmail.com

Pressekontakt:
NABU-Pressestelle
Kathrin Klinkusch | Iris Barthel | Britta Hennigs | Nicole Flöper
Tel. +49 (0)30.28 49 84-1510 | -1952 | -1722 | -1958
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