„Man versucht gern, uns zu erniedrigen“ / Anja Reschkeüber sexualisierte Hass-Mails

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Deutsche Journalistinnen müssen sich
häufig gegen sexualisierte verbale Übergriffe wehren. ARD-Moderatorin
Anja Reschke sagt im Interview der „Journalistin“, dem Spezial des
„medium magazins“: „Man versucht gern, uns zu erniedrigen. Es wird
einem entweder Vergewaltigung angedroht oder man wird als Schlampe
beschimpft.“

Nach einem „Tagesthemen“-Kommentar zur Hetze im Netz ergoss sich
im Sommer über Reschke eine Schlammlawine aus Anfeindungen, die sich
noch immer bewegt. Die Reaktionen seien intensiver gewesen als alles,
was sie zuvor erlebte, sagt Reschke, die seit Sommer 2015 auch
Leiterin Innenpolitik des NDR-Fernsehen ist.

Reschke vermisst bei viele Zuschauerbrief-Schreibern die
Bereitschaft zum Meinungsaustausch. „Wenn man früher seine Argumente
erklärt hat, kam man auch in einen Dialog. Bei dem Flüchtlingsthema
gelingt das oft nicht mehr“, sagt die „Panorama“-Moderatorin. „Die
Argumentationen sind so fest gemauert, man dringt überhaupt nicht
mehr durch. Viele verweigern sich Fakten, sie wollen sich gar nicht
auseinandersetzen, sondern nur ihre Meinung loswerden.“

Kritik, dass die Medien eher den Fokus auf dem Leid der
Flüchtlinge haben und weniger daran, was in der Folge in diesem Land
passiert, sei sicher in Teilen berechtigt, meint Reschke: „Wir
befinden uns nach meiner Einschätzung zur Zeit noch in einer extremen
Phase: Die ´Mitte` bei den Bürger oder auch der Politik, die sich
vielleicht noch nicht positioniert hat, kommt medial nicht vor. Ich
habe aber das Gefühl, es fängt gerade an, sich zu sortieren.“

Als Beleg dafür verweist sie darauf, dass es „gerade im
Printbereich inzwischen viele Artikel mit kritischen Fragen nach den
Konsequenzen der ´Willkommenskultur` gibt“. Reschke betont im
Gespräch mit „medium magazin“-Autorin Silke Burmester: „Wichtig ist,
dass die Journalisten das berichten, was passiert – also etwa auch,
wenn es zu Krawallen in Flüchtlingslagern kommt. Man darf diese
Themen nicht tabuisieren, aus Angst Ressentiments zu bedienen. Die
müssen von Journalisten besetzt werden, sonst benutzen sie nur die
Rechten und Medien verlieren ihre Glaubwürdigkeit.“

Das gesamte Interview mit Anja Reschke erscheint in „Journalistin
2015″, Seite 4 bis 7. Das Spezial ist Teil von „medium magazin“
11-2015. „medium magazin“ ist für alle Geräte im iKiosk verfügbar
unter http://bit.ly/Medium-Digital. Einzelhefte und Abos gibt es
unter http://www.mediummagazin.de/bestellen/.

Pressekontakt:
Annette Milz, Chefredakteurin „medium magazin“,
redaktion@mediummagazin.de, 069-95927944

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