„Massaker von Marikana: Angehörige von getöteten Minenarbeitern fordern auf BASF-Hauptversammlung Entschädigung“

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Der Platinlieferant LONMIN ist laut
südafrikanischer Untersuchungskommission mitverantwortlich für das
Massaker von Marikana. Dennoch weist BASF jegliche Zuständigkeit
gegenüber den Opfern des Massakers zurück, die vom Unternehmen
vielbeschworene „soziale Verantwortung entlang der gesamten
Lieferkette“ gerät zur Farce.

Eine Delegation aus Südafrika konfrontierte die BASF bei der
Hauptversammlung am 29. April 2016 erneut mit den weiterhin
skandalösen Lebens- und Arbeitsbedingungen in Marikana und der
erwiesenen Mitverantwortung ihres Platinlieferanten LONMIN am
Massaker von Marikana. BASF ist der Hauptabnehmer des Platins von
LONMIN.

Bischof Jo Seoka, Vertreter der MinenarbeiterInnen von Marikana,
Südafrika, der bereits auf der Aktionärsversammlung 2015 die
Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele von BASF bezüglich der
Lieferkettenverantwortung in Frage gestellt hatte – sowie
Ntombizolile Mosebetsane und Agnes Makopano Thelejane, zwei Witwen
der in Marikana getöteten Minenarbeiter, adressierten zusammen mit
dem Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre und der
Kirchlichen Arbeitsstelle südliches Afrika (KASA) erneut den Vorstand
von BASF.

Auszug der Rede von Ntombizolile Mosebetsane und Agnes Makopano
Thelejane:

„Wir sind hier um Ihnen von den Familien zu berichten, deren
Angehörige beim Massaker von Marikana getötet wurden. Wir werden
Ihnen vom Versagen ihres Platin-Langzeit-Lieferanten aus Südafrika,
Lonmin, berichten; Um es deutlich zu sagen: Unsere Situation hat sich
seit dem Massaker kontinuierlich verschlechtert. In Ihrem kürzlich
veröffentlichten Statement (zum Audit, den BASF bei LONMIN im
Dezember 2015 durchführen ließ) sagen Sie aber, dass Sie weder
kritische Feststellungen bei der Unternehmensführung, bei
Menschenrechten oder Arbeitsbedingungen von Lonmin gemacht, noch
irgendwelche anderen Verstöße festgestellt haben.“

Und weiter Bischof Johannes Seoka:

„Wie können Sie sich auf der Grundlage von Hochglanzberichten und
Absichtserklärungen ein Bild von der Situation vor Ort in Südafrika
machen, wenn doch bereits erwiesen ist, dass die Berichte von LONMIN
mit den tatsächlichen Bedingungen nicht übereinstimmen?! Der Leiter
der CSR-Abteilung von BASF hat uns mehrfach davon berichtet, dass
BASF LONMIN dabei unterstützt habe, die Werksfeuerwehr zu optimieren.
Das kann nicht ernsthaft das einzige Ergebnis einer Begutachtung von
LONMIN sein, die behauptet, die Richtlinien des UN Global Compact
Abkommens zu berücksichtigen.“

Obwohl die VertreterInnen der südafrikanischen Delegation
darlegten, dass LONMIN lediglich kosmetische Verbesserungsmaßnahmen
vorgenommen habe und dass es keinerlei Fortschritte im Bezug auf
Entschädigungszahlungen für die Hinterbliebenen der ermordeten
Minenarbeiter gäbe, beruft sich BASF einzig und allein auf ein
intransparentes und unveröffentlichtes Audit vom Dezember 2015. Laut
BASF sei dort festgestellt worden, dass LONMIN „alle Probleme gelöst“
hätte und lediglich kleine Verbesserungen bezüglich Werkssicherheit
und Umweltschutz erforderlich seien.

Die BASF sei darüber hinaus der falsche Adressat für die
Forderungen der südafrikanischen Delegation, daher wurde jegliche
Zuständigkeit für die Belange der Hinterbliebenen abgewiesen.

Kurt Bock machte deutlich:

„Wir verstehen Ihren Wunsch, aber ich kann Sie da auch nur um
Verständnis bitten. Sie können die Probleme, die sie in Südafrika
haben, zwar nach Deutschland tragen und wir setzen uns damit auch
sehr, sehr intensiv auseinander. Das spüren Sie, glaube ich, auch,
aber wir können nicht alle Probleme, die Sie in Südafrika haben, hier
vor Ort lösen. Wir leisten unseren Beitrag, indem wir ein guter
Partner sind für Lonmin, in dem wir sicherstellen, dass Lonmin
unseren Ansprüchen künftig auch weiterhin gerecht werden kann.“

Und weiter:

„Wir können nicht den Lieferanten des Lieferanten des Lieferanten
überprüfen.“

BASF war und ist demnach sehr zufrieden mit seinem langjährigen
Lieferanten LONMIN, zu dem sehr wohl eine direkte Geschäftsbeziehung
besteht, die über eine Briefkastenfirma von BASF in der
schweizerischen Steueroase Zug abgewickelt wird.

Im Anschluss an ihre Hauptversammlungsreden überreichten die
südafrikanischen Delegationsmitglieder, Simone Knapp (KASA) und
Markus Dufner vom Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und
Aktionäre eine Petition mit mehr als 11.000 Unterschriften an den
BASF-Vorstand. In der Petition „BASF: Lieferkettenverantwortung
JETZT!“ wird gefordert, BASF möge 8 Millionen Euro aus dem
Bilanzgewinn 2015 in einen Sonderfonds zur Entschädigung der Opfer
des Marikana-Massakers einzahlen.

Viele KleinaktionärInnen zeigen sich erschüttert, dass der
BASF-Vorstand die Forderungen der südafrikanischen Delegation
zurückwies, und gratulierten dem Bischof, den Witwen und ihren
UnterstützerInnen für ihren „couragierten Auftritt“ bei der
Hauptversammlung.

Lesen Sie hier: Bischof Jo Seoka: Rede als pdf: http://basflonmin.
com/home/wp-content/uploads/2015/04/Jo_Seoka_BASF_29042016.pdf

Ntombizolile Mosebetsane und Agnes Makopano Thelejane: Rede als
pdf: http://basflonmin.com/home/wp-content/uploads/2015/04/Witwen_von
_Marikana_BASF_29042016.pdf

Weitere Reden zum Thema von Markus Dufner, Maren Grimm und Jakob
Krameritsch finden Sie unter:
http://basflonmin.com/home/de/basf-auktionarsversammlung-2016/

Mehr Information unter: http://basflonmin.com

Pressekontakt:
Simone Knapp: +49 (0)163 730 2888, simone.knapp@kasa.de
Maren Grimm: +49(0)177 655 1053, m.grimm@akbild.ac.at
Jakob Krameritsch: +43(0)699 1967 5131, j.krameritsch@akbild.ac.at
Markus Dufner: +49 (0) 221 599 5647,
dachverband@kritischeaktionaere.de

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