Massenhaft gewaltverherrlichende Neonazi-Lieder auf deutschen Seiten von YouTube / „Report Mainz“, 7.6.2016, um 21.45 Uhr im Ersten

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Auf den deutschen Seiten von YouTube befinden sich,
so die Recherchen von „Report Mainz“, massenhaft Neonazi-Lieder, die
zu Gewalt gegen und sogar zum Mord an Flüchtlingen, Schwarzen und
Juden aufrufen. Der Jüdische Weltkongress (JWC) bezeichnet YouTube
und Google als mitverantwortlich, wenn es unter dem Einfluss dieser
Musik zu Straftaten käme. Im Interview mit „Report Mainz“ sagte der
Justitiar des JWC, Prof. Menachem Rosensaft: „Man muss offen sagen,
dass wenn ein Mord, ein Überfall auf einen Juden oder einen Muslimen
oder einen Immigranten das Resultat ist, dass ein Neonazi-Bursche
diese Musik gehört hat und das ist die Inspiration, dann ist Google
Deutschland und YouTube mitverantwortlich.“ Er fordert die sofortige
Löschung all dieser Neonazi-Videos. Wörtlich sagte er: „Google
international, in Deutschland, in Amerika, muss diese Art Videos
runternehmen. Fertig.“

Das sogenannte Afrika-Lied der Neonazi-Band Landser, verurteilt
als kriminelle Vereinigung, steht seit 18 Monaten auf YouTube und
wurde über 250.000-mal geklickt. Im Text heißt es: „Afrika für Affen,
Europa für Weiße. Steckt die Affen in ein Klo und spült sie weg wie
Scheiße.“ Dieses Lied hat beim Mord am Schwarzen Alberto Adriano 2000
in Dessau eine wichtige Rolle gespielt. So steht es in den
Gerichtsakten. Es gibt noch eine Menge weiterer Hasslieder, so die
Recherchen von „Report Mainz“, die zu Gewalt gegen Juden und
Flüchtlinge auffordern.

Der Politikwissenschaftler Prof. Samuel Salzborn, Universität
Göttingen, kommt zu der Einschätzung: „Überraschend an den
rechtsextremen und neonazistischen Musikvideos auf YouTube ist
einerseits die Masse. Also das heißt, wie viel tatsächlich an
neonazistischem Musikmaterial verfügbar ist. Und andererseits auch,
dass wir neben der reinen Quantität auch eine Reihe von Material
finden, das nicht nur gewaltverherrlichend ist, sondern das auch
strafrechtlich relevant ist, zum Teil indiziert ist.“ Salzborn
verweist auf den Zusammenhang der zwischen dem Hören dieser Lieder
und nachfolgenden Straftaten besteht. Das wisse man aus vielen
Ermittlungsverfahren: „Auf Worte folgen Taten. Es gibt einen
Zusammenhang zwischen dieser Musik und den rassistischen Anschlägen
und Übergriffen. Die Musik mobilisiert zu solcherlei Taten.“

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt Prof. Andreas Marneros aus
Bonn. Er hat mehr als 100 rechte Gewalttäter forensisch begutachtet,
darunter die Mörder von Alberto Adriano. Seiner Beobachtung nach
spielt diese Musik oftmals im Vorfeld der Tat eine wichtige Rolle,
hat so etwas wie eine anstiftende Wirkung: „Anstifter in dem Sinne,
dass sie die schon vorhandenen Bereitschaften mobilisiert, verstärkt
und dann zur Handlung bringt. Und wenn ich die Bereitschaft habe,
rassistisch und fremdenfeindlich zu agieren, dann öffnet diese
drogenartige Wirkung, die diese Musik hat, für mich alle
Möglichkeiten in Anführungszeichen“, sagte Prof. Marneros im
Interview mit „Report Mainz“.

Das NSU-Terrortrio und ihre Unterstützer haben nachweislich solche
Lieder von frühester Jugend bis zum Schluss konsumiert. Auch die drei
Täter des Brandanschlages auf eine Flüchtlingsunterkunft im
niedersächsischen Salzhemmendorf Ende August 2015 haben sich im
unmittelbaren Vorfeld der Tat mit Neonazi-Musik aufgeputscht.

„Report Mainz“ hat YouTube/Google Deutschland mit einigen wenigen
Textpassagen konfrontiert – dem eingangs zitierten Afrika-Lied und
darüber hinaus mit folgenden Zitaten: „Für unser Fest ist nichts zu
teuer,10.000 Juden für ein Freudenfeuer. Ihr tut unsere Ehre weh.
Unsere Antwort heißt Zyklon B.“ Und: „Nigger raus aus unserem Land,
Nigger, du wirst verbrannt.“ Und: „Mit dem Molly in der Hand, und das
Asylheim brennt.“ Der Konzern hat ein Interview mit „Report Mainz“
verweigert. YouTube erklärte schriftlich: Man habe „klare
Richtlinien, die Hassbotschaften … oder volksverhetzende Inhalte
verbieten und wir entfernen alle Videos, … sobald sie gemeldet
werden.“

„Report Mainz“ hat mehrere dieser gewaltverherrlichenden Lieder
„flaggen“ lassen. Das ist das übliche Verfahren, um der
Videoplattform anstößige Inhalte zu melden. Diese Neonazi-Soundtracks
sind bislang nach wie vor online. Viele dieser Lieder wären für
YouTube ganz leicht zu identifizieren. Begriffe wie „Rassenhass“ oder
„Herrenrasse“ werden verwendet, ebenso wie Hakenkreuze und SS-Runen.
Das Zeigen und Verwenden des Hakenkreuzes in der Öffentlichkeit ist
strafbar. Nach Einschätzung von Strafrechtlern berühren diese Lieder
zahlreiche Straftatbestände – Aufruf zum Rassenhass, Aufruf zu
Gewalttaten, Volksverhetzung, Leugnung des Holocaust und
Verherrlichung des Nationalsozialismus.

Weitere Informationen unter www.reportmainz.de. Zitate gegen
Quellenangabe „Report Mainz“ frei. Pressekontakt: „Report Mainz“,
Tel. 06131/929-33351.

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