Medienkonzentration hemmt Meinungsvielfalt in Kolumbien / ROG-Pilotprojekt legt Besitzstrukturen offen

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Ein großer Teil der Massenmedien in Kolumbien ist
in den Händen weniger Eigentümer konzentriert. Damit begünstigen die
Besitzverhältnisse Interessenkonflikte und Selbstzensur. Dies zeigen
die Ergebnisse dreimonatiger Recherchen im Rahmen des Projekts Media
Ownership Monitor (MOM), die Reporter ohne Grenzen zusammen mit dem
Kolumbianischen Journalistenverband (FECOLPER) am Donnerstag in
Bogotá vorgestellt hat.

Die gemeinsame Untersuchung bildete den Auftakt eines
internationalen ROG-Projekts zur Förderung von Medienpluralismus.
Dieses soll nach einer standardisierten Methodik künftig auch die
Medienbesitzstrukturen in anderen Ländern untersuchen und für die
Öffentlichkeit transparent machen (http://t1p.de/jm6c).

Die aktuelle Untersuchung in Kolumbien zeigte unter anderem, dass
unter den überregionalen Medien zwei Drittel der Leser auf nur vier
Zeitungen (Q´hubo, ADN, El Tiempo and Al Día) entfallen. Die beiden
größten Fernsehsender machen mehr als zwei Drittel des TV-Markts
unter sich aus und erwirtschaften rund 78 Prozent der gesamten
TV-Werbeeinnahmen.

Ebenso zeigte die Recherche, dass nur drei Konzerne – Ardila
Lülle, Santo Domingo (Valorem) und Sarmiento Angulo – durch eine
Vielzahl von Publikationen und Sendern 57 Prozent des Markts für alle
herkömmlichen Mediengattungen (Print, Fernsehen und Radio)
kontrollieren: Zu Ardila Lülle gehören allein 18 verschiedene Medien,
zu Santo Domingo sechs und zu Sarmiento Angulo 17.

Auf dem Regionalzeitungsmarkt ist die Verlagsgruppe El Periódico
des Geschäftsmanns Eduardo Suárez Burgos ein besonders interessanter
Fall. Neben ihren elf bereits etablierten Zeitungen weitet die Gruppe
nun durch die Tageszeitung Extra mit derzeit 18 Lokalausgaben ihre
Aktivitäten auf weitere Regionen aus.

Die Ergebnisse enthalten auch Indizien für die dominierende Rolle
von Gratis- und Boulevardzeitungen, die überwiegend im Besitz
derselben traditionellen Verlagsgruppen sind. Ferner zeigte sich ein
Trend zum Bezahlfernsehen, das mehr als 50 Prozent des gesamten
Fernsehkonsums ausmacht.

MEDIENKONZENTRATION GEFÄHRDET DEMOKRATIE UND MEINUNGSFREIHEIT

Der Media Ownership Monitor (MOM) Kolumbien untersuchte alle Arten
von Massenmedien (Fernsehen, Radio, Print- und Internetmedien), die
vom Estudio General de Medios 2014 erfasst wurden, der wichtigsten
Publikumserhebung in dem südamerikanischen Land. Dabei konzentrierte
sich der MOM auf die jeweils zehn größten Medien jeder Gattung. Die
Ergebnisse wurden am Donnerstag im Rahmen einer internationalen
Konferenz in der Hauptstadt Bogotá vorgestellt und sind ab sofort auf
der Webseite www.monitoreodemedios.co abrufbar.

„Medienvielfalt ist ein Grundpfeiler jeder pluralistischen und
offenen Gesellschaft“, sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr.
„Deshalb ist eine starke Konzentration von Medienbesitz wie hier in
Kolumbien eine Gefahr für Demokratie und Meinungsfreiheit.“ Dabei
wies Mihr auch auf die schlechte Platzierung Kolumbiens auf der
Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen hin, auf der
das Land Platz 128 von 180 Staaten einnimmt.

„Medienbesitz ist gleichbedeutend mit Macht, die öffentliche
Meinung zu beeinflussen“, sagte FECOLPER-Präsidentin Adriana Hurtado.
„Jeder Bürger, der die Medien nutzt, sollte sich Gedanken darüber
machen, wer welche Publikationen kontrolliert. Die Medien sind kein
Markt wie jeder andere!“

VIELE MARKTDATEN WERDEN UNTER VERSCHLUSS GEHALTEN

„Unser Problem war der Mangel an öffentlich zugänglichen
Marktdaten“, sagte ROG-Projektmanagerin Nina Ludewig. „In vielen
Ländern sind solche Daten öffentlich, doch hier in Kolumbien scheinen
sie wie ein Staatsgeheimnis gehütet zu werden.“

Mangelnde Transparenz erschwerte dem MOM-Team die Arbeit auch in
anderen Bereichen wie den staatlichen Werbeausgaben. „Wir glauben,
dass die Regierung jährlich mehr als 500 Milliarden Pesos (rund 150
Millionen Euro) ausgibt, um Sendezeit oder Platz in Zeitungen zu
kaufen“, sagte FECOLPER-Präsidentin Hurtado. „Das sind riesige
Subventionen, doch es bleibt überwiegend unklar, wohin das Geld
fließt und welche Vereinbarungen dahinterstecken.“

„Angesichts der starken Medienkonzentration, aber auch der
wirtschaftlichen und politischen Interessen der Medienbesitzer
überrascht es nicht, dass der Journalismus in Kolumbien von
verbreiteter Selbstzensur geprägt ist“, betonte ROG-Geschäftsführer
Mihr. „Regierung und Gesetzgeber in Kolumbien sollten strenge und
wirksame Regulierungsmaßnahmen ergreifen, um die Oligopole im
Mediensektor aufzubrechen“.

Alle Daten und Ergebnisse des MOM Kolumbien finden Sie (auf
Spanisch) unter www.monitoreodemedios.co, weitere Informationen zur
Lage der Pressefreiheit in Kolumbien unter
www.reporter-ohne-grenzen.de/kolumbien/.

Pressekontakt:
Reporter ohne Grenzen
Ulrike Gruska / Christoph Dreyer
presse@reporter-ohne-grenzen.de/presse/
www.reporter-ohne-grenzen.de
T: +49 (0)30 609 895 33-55
F: +49 (0)30 202 15 10-29

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