Medizinische Mängel in Pflegeheimen aufgedeckt

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Sperrfrist: 02.06.2016 17:00
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Mehr als 60 Prozent aller Pflegeheime in Deutschland fallen bei
den jährlichen Prüfungen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen
(MDK) in den entscheidenden, medizinischen Bereichen negativ auf.
Dazu zählen der Umgang mit Wunden, Schmerzpatienten und Inkontinenz
genauso wie die Versorgung mit Nahrung und Flüssigkeit sowie die
Medikamentengabe und das Befolgen ärztlicher Anordnungen. Das hat
eine umfangreiche Auswertung der verfügbaren Daten zu Qualität und
Kosten aller deutschen Pflegeheime durch das Recherchezentrum
correctiv.org, die Redaktion von „Die Reportage“ im NDR Fernsehen und
die Tageszeitung „Welt“ (Freitagsausgabe) ergeben.

Die Analyse offenbart viele Probleme. Mehr als die Hälfte der
Heime versorgen Alte und Kranke den Prüfungen zufolge nicht korrekt
mit Medikamenten, mehr als 30 Prozent nicht vorschriftsmäßig mit
Nahrung und Flüssigkeit. Die Auswertung ermöglicht erstmals auch
einen detaillierten Vergleich zwischen Bundesländern und Landkreisen.

Untermauert wird die Datenanalyse durch verdeckte Dreharbeiten für
„Die Reportage: Seniorenresidenz undercover – Recherchen über
Pflegeheime“ (Freitag, 3. Juni, 21.15 Uhr, NDR Fernsehen). Für den
Beitrag ist das Team um die Autoren Gita Datta und Michael Schomers
für jeweils eine Woche in zwei verschiedene Heime in Norddeutschland
eingezogen. Die Reporter konnten beobachten, dass es auch in
offiziell gut bewerteten Heimen entscheidende Mängel gibt. So wurden
beispielsweise medizinische Anordnungen nicht ausreichend befolgt.

Ein halbes Dutzend Reporter und Programmierer hat in den
vergangenen Monaten die Daten aller deutschen Pflegeheime sowie
Informationen zu allen Landkreisen und Städten ausgewertet. Am
Donnerstag, 2. Juni, hat Correctiv diese Informationen für jedes
einzelne Pflegeheim im Internet unter www.correctiv.org/pflege
veröffentlicht.

Die Daten zeigen auch, dass die Prüfergebnisse von Pflegeheimen
längst nicht immer mit den Preisen für die Pflege in Einklang zu
bringen sind. In einigen Regionen zahlen Bürger für ihre Pflege drei
Mal so viel Geld dazu wie in anderen Teilen Deutschlands. Die private
Zuzahlung in der Pflegestufe 3 schwankt zwischen 750 Euro in
Wilhelmshaven und 2300 Euro im Kreis Siegen-Wittgenstein – pro Monat.

Ein zentraler Bestandteil der Analyse war es, aus den
„Pflegenoten“, die Qualitätsprüfer der Kassen jährlich vergeben, die
medizinisch relevanten Teile herauszulösen. Die Pflegenoten stehen
seit Jahren in der Kritik, weil 77 – zum großen Teil wenig
aussagekräftige – Komponenten zu einer Gesamtnote zusammengefügt
werden. Das führt dazu, dass der bundesweite Durchschnitt trotz teils
gravierender Pflegemängel bei einer unrealistischen 1,2 liegt.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Julia Saldenholz, NDR
Redaktionsleiterin „Die Reportage“, j.salden@ndr.de, Tel. 040 / 4156
4868, Daniel Drepper, Senior Reporter correctiv.org,
daniel.drepper@correctiv.org, Tel. 0151 / 407 95 370, oder Anette
Dowideit Welt, Ressort Deutschland (Hintergrund),
anette.dowideit@weltn24.de, Tel. 0151 / 234 56 030.

Mehr Informationen zur Sendung unter www.NDR.de/diereportage

Pressekontakt:
Norddeutscher Rundfunk
Presse und Information
Iris Bents
Tel: 040-4156-2304

http://www.ndr.de
https://twitter.com/ndr

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