Metropolkonferenz 2015: Die Region macht mehr Mobilität.

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„Das Thema ist absolut zentral für unsere Region. Durch Mobilität wachsen die Räume in der Metropolregion zusammen. Wenn wir dieses Problem lösen, lösen wir auch Fragen wie Siedlungsdruck, hohe Mieten oder Fachkräftemangel“, brachte Christoph Göbel, der 1. stellvertretende Vorsitzende des EMM e.V. und Landrat des Landkreises München, die zentrale Bedeutung von Verkehrsfragen bereits in seinen eröffnenden Worten zusammen. Und Miesbachs Landrat Wolfgang Rzehak sagte zur Begrüßung: „Mich freut es ganz besonders, dass die Metropolkonferenz hier stattfindet. Jeder, der hierhergekommen ist weiß, wie schwierig die Verkehrssituation ist. Aber das gilt für sehr viele Teile der Metropolregion, deshalb ist diese Zusammenarbeit so wichtig.“ Der Landkreis Miesbach und sein Tegernseer Tal zeigten sich als prädestinierter Austragungsort für die Konferenz und ihr Thema: Das Nadelöhr, durch das sich der Verkehr an schönen Sommertagen wie dem der Konferenz schlängelt, war für die Teilnehmer während ihrer Anreise direkt erlebbar. Jene über 100 Gäste, die Dank der Unterstützung der Bayerischen Oberlandbahn kostenlos mit dem Zug angereist waren, konnten sich dem Stau weitgehend entziehen. Am Ort der Konferenz, dem Seeforum Rottach-Egern, konnten die Teilnehmer nach ihrer Ankunft dann alternative Mobilitätsangebote direkt „erfahren“ und E-Carts, E-Bikes, E-Roller und E-Autos testen.

Landrat Rzehak plädierte dafür, auch bei der Bauleitplanung viel mehr an den Verkehr zu denken: „Wir bauen den fünften Aldi außerhalb der Orte und wundern uns dann, dass alle mit dem Auto dorthin fahren. Und dazu werden auch noch die Ortsmitten geschwächt. Wir müssen die Straßen vom motorisierten Individualverkehr weitestgehend entlasten. Das geht vor allem auch, indem wir uns auf kleine, machbare Schritte konzentrieren.“

Neue Gegebenheiten, neue Lösungen, neue Mobilitätskultur

Der fachliche Hauptimpuls kam von Verkehrswissenschaftler Prof. Heiner Monheim. Er führte den Teilnehmern die veränderten Bedingungen für heutige Verkehrsplanung vor Augen und zeigte Möglichkeiten auf, unter diesen Voraussetzungen Probleme zu lösen. Neben der allgemeinen Bevölkerungszunahme in der Metropolregion sei es auch der größere Radius, in dem sich die Menschen heute durchschnittlich bewegten, auf den es zu reagieren gelte. Gleichzeitig bleibe die Nahmobilität der wichtigste Verkehrsbereich. Aber in der Region hätten sich beispielsweise die Distanzen, die mit dem Fahrrad zurückgelegt werden, verdreifacht. Hierdurch bekomme das Fahrrad für die Verkehrsplanung eine ganz andere Bedeutung. Zudem seien die Menschen viel „multimodaler“ unterwegs, als in der Vergangenheit. Dass heißt, dass viele Strecken nicht mehr mit nur einem Verkehrsmittel zurückgelegt werden, sondern sehr oft umgestiegen wird, beispielsweise vom Fahrrad in den Zug oder vom Auto in U- oder S-Bahn. Auch wachse der Öffentliche (Nah-)Verkehr beachtlich, weil Autofahren im Verhältnis zu den Einkommen immer teurer werde, der Anteil der alten Menschen an der Bevölkerung weiter steige und weil die junge Generation immer weniger auf das Auto als Transportmittel setze. „Weil wir all diese Veränderungen haben, brauchen wir eine Politik, die bereit ist, in neue Richtungen zu denken“, so Monheim. In die gleiche Richtung argumentierte auch Landrat Rzehak: „Mit den Lösungen von gestern die Probleme von morgen zu bewältigen wird uns nicht gelingen!“

Kommunen müssen Finanzierungsbedarf deutlich artikulieren

Das bedeute natürlich auch, dass Öffentliche Verkehrsangebote, deren Kapazitäten teilweise heute schon ausgereizt sind, deutlich ausgebaut werden müssen, so Monheim. Es müssten mehr Stadt- und Ortsbussysteme geschaffen, in der Fläche Busanbindungen verbessert, das Schienennetz erweitert, Nahverkehrspläne aktualisiert und der Schienenverkehr noch stärker regionalisiert werden. Auch Car Sharing müsse man außerhalb der Großstädte verstärkt anbieten und die Radinfrastruktur benötige eine deutliche Verbesserung. Das Entscheidende dabei: All diese Maßnahmen müssten gut verzahnt sein. Monheims Fazit: Besonders das öffentliche Verkehrsangebot im Ländlichen Raum der Metropolregion bleibe noch unter seinen Möglichkeiten. Dies liege auch an der Finanzierung, und so rief Monheim die kommunale Politik dazu auf, ihre Interessen in Sachen Verkehrsfinanzierung gegenüber Bund und Ländern sehr deutlich zu artikulieren. Es könne nicht sein, dass die Kommunen beispielsweise an den Einnahmen aus der LKW-Maut nicht beteiligt seien, obwohl sie durch die Maut viele Kosten zu tragen haben. Für die Zukunft des Verkehrs in der Metropolregion München zeigte er sich zuversichtlich: „Die Region hat das große Glück, dass sich die Entwicklungen im Verkehrsverhalten so überlagern, dass sie in eine neue Mobilitätskultur münden können. Arbeiten Sie an einem integrierten Mobilitätskonzept für die Region mit neuen Akzenten und abgestimmten Maßnahmen. Dann könnte die Metropolregion zum Innovationsinkubator werden.“

Integriertes Mobilitätskonzept und Busse nach Berlin

In der abschließenden Podiumsdiskussion wurde klar, dass im EMM e.V. bereits in die von Monheim vorgeschlagener Richtung gearbeitet wird. Horst Mentz, Leiter der Arbeitsgruppe Mobilität im EMM e.V. und Leiter Verkehrsplanung der Landeshauptstadt München, schilderte, dass in den nächsten Wochen alle Verkehrs-Stakeholder inklusive der Vielzahl regionaler Mobilitätsinitiativen der Metropolregion zu einem Treffen eingeladen würden, um gemeinsam mit ihnen die Planungen für das weitere Vorgehen und ein integriertes Mobilitätskonzept abzustimmen – sowohl für schnell umsetzbare Maßnahmen als auch für längerfristige Projekte. Josef Brandner, Omnibusunternehmer und Vorsitzender des Verkehrsausschusses der IHK Schwaben, sagte, dass der unter den Mitgliedern des EMM e.V. geplante durchgängige ÖPNV-Tarif ein Schritt in die richtige Richtung sei und zudem der Region als ganzer ein Gesicht gebe. Und Landrat Göbel berichtete, dass es im November unter dem Motto „Busse nach Berlin“ eine Fahrt regionaler Vertreter nach Berlin geben werde, die den Finanzierungsbedarf für Verkehrsprojekte in der Metropolregion gegenüber der Bundespolitik unterstreichen soll. „Die Politik muss verstehen, dass man eine wirtschaftliche Lok wie diese Region auch befeuern muss, damit sie den Zug weiterhin ziehen kann. Diese Region hat sich auch deshalb so gut entwickelt, weil unsere Vorgänger vor Jahrzehnten mutig und vorausschauend Mobilitätsangebote geschaffen haben. So müssen wir die Dinge jetzt auch wieder anpacken“, so Göbel.

Dr. Andreas Melhorn, Consultingleiter bei Siemens Mobility, sagte bei diesem Vorhaben die volle Unterstützung seines Unternehmens zu: „Wir können mit technischem Know-how unterstützen, zum Beispiel in Fragen der Digitalisierung. Sie haben mein klares Commitment, dass wir das tun werden. Die Infrastruktur dieser Region stellt einen wirklichen Wert dar, auch deshalb siedeln sich Unternehmen hier gerne an. Gleichzeitig ist es natürlich auch eine Herausforderung, die Kapazitäten aufzustocken. “

Auch wenn das Ausprobieren intermodaler Mobilität auf dem Weg zur Abendveranstaltung im Hotel Das Tegernsee mit Schiff, E-Bikes, E-Autos und E-Carts einem Gewitter zum Opfer fiel, fand die Konferenz im Abendempfang einen gelungenen Abschluss und bot den Teilnehmern nochmals die Möglichkeit, Gesprochenes im Einzelgespräch zu vertiefen.

Die Metropolkonferenz 2015 wurde unterstützt durch
Gemeinde Rottach-Egern, Tegernseer Tal Tourismus, Bayerische Oberlandbahn BOB, Das Tegernsee, Werteproduzenten, KMC Manufacture, Radsport Rebel, Radsport Zehendmaier, BMW Niederlassung München. Danke!

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