Migranten nutzen Gesundheitsvorsorge in Deutschland

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Dr. Thomas P. Zahn, Geschäftsführer des Gesundheitswissenschaftlichen Instituts Nordost der AOK Nord
 

Rund jedem zweiten Migranten mit Schwierigkeiten beim Eintritt in die Krankenkasse fehlen nach Auswertung der „Berliner Migrantenstudie“ des Gesundheitswissenschaftlichen Instituts Nordost (GeWINO) der AOK Nordost Informationen in ihrer Muttersprache und Ansprechpartner bei Arbeitgebern sowie sprachqualifizierenden Stellen. Bei der zwölften Landesgesundheits-konferenz Berlin, die unter dem Titel Migration und Gesundheit stand, stellte GeWINO-Geschäftsführer Dr. Thomas Zahn am Mittwoch Ergebnisse der Studie vor: Die Auswertung zeigt, dass Migranten für sich und ihre Kinder in Deutschland verstärkt Maßnahmen der Gesundheitsförderung in Anspruch nehmen. Sie nutzen Kinder- und Zahnuntersuchungsangebote in Deutschland deutlich häufiger als in ihren Herkunftsländern. Mit der „Berliner Migrantenstudie“ des GeWINO können erste Erkenntnisse über die Inanspruchnahme von Vorsorgeleistungen getroffen werden und zudem kann die Studie Lücken im Themenkomplex Versorgungsforschung von Migranten in Berlin schließen. „Die Ergebnisse zeigen unter anderem, dass Sprachbarrieren im Gesundheitswesen abgebaut werden müssen und der Arbeitgeber ein wichtiges Bindeglied zwischen Migranten und Krankenkassen ist“, informierte Dr. Zahn die Kongressteilnehmer.

Seit Anfang 2015 untersucht das GeWINO gemeinsam mit der Professorin für Gesundheits-management Beate Schultz-Zehden von der bbw Hochschule Berlin die Kenntnisse von Migranten über das deutsche Gesundheitssystem und sucht nach Verbesserungsmöglichkeiten. Im Rahmen der „Berliner Migrantenstudie“ wurden 302 Teilnehmer berufsbezogener Sprachförderungskurse für Migranten des bbw e.V. befragt, die sich im Wesentlichen umgangssprachlich auf Deutsch verständigen können. Die Auswertung zeigt, dass 74 Prozent der Befragten die Oberschule oder Hochschule abgeschlossen haben. Das Wissen der Befragten über das Gesundheitssystem in Deutschland ist umfangreich. Dies ist möglicherweise bedingt durch das hohe Bildungsniveau und der mittleren Aufenthaltsdauer der Befragten in Deutschland von fast sechs Jahren. In der „Berliner Migrantenstudie“ zeigt sich, dass Migranten im Vergleich zu ihrem Herkunftsland in Deutschland mehr Präventionsangebote nutzen. Insbesondere stiegen Gesundheitsunter-suchungen für Kinder um 52 Prozent und Zahnarztbesuche um 22 Prozent. Dies ist bedeutsam, da die befragten Migranten im Mittel 1,82 Kinder hatten. Dennoch sind auch in dieser Stich-probe Sprach- und Verständigungsprobleme relevant. Bei der Nutzung von Angeboten zur Gesundheitsvorsorge ist die Sprache aber nur bei einem Viertel der Befragten ein Hinderungsgrund.

Ein weiteres Studienergebnis ist, dass sich 12 Prozent der befragten Migranten auch bei ihrem Arbeitgeber oder Ausbilder über Krankenkassen informieren. Diese sollten mit externen Kundenberatern aufklären und Informationen zur Zuwanderungsthematik zur Verfügung stellen. „Für einen gleichberechtigten Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen muss die Sprachbarriere überbrückt werden“, fasste Dr. Thomas Zahn zusammen. „Dafür ist es wichtig, dass die Krankenkassen mehrsprachige Informationen sowie Beratung anbieten und verstärkt mit Arbeitgebern zusammenarbeiten“, erläuterte der GeWINO-Geschäftsführer bei der Landesgesund-heitskonferenz. Die Teilnehmer der Landesgesundheitskonferenz waren an den vorgestellten Ergebnissen der „Berliner Migrantenstudie“ außerordentlich interessiert. Nicht nur vor diesem Hintergrund widmet sich das Gesundheitswissenschaftliche Institut Nordost dem Themenkomplex weiterhin. Die AOK Nordost bietet für Migranten unter anderem spezielle Internetangebote in zehn Sprachen (http://zuwanderer.aok.de) und mehrsprachige Kundenberater.

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