„Milchflut. Melken bis zum Ruin“ / „Die Story im Ersten“ am Montag, 27. Juni 2016, 23:50 Uhrüber die prekäre Lage der Milchbauern (FOTO)

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Wie kann es sein, dass Vollmilch inzwischen billiger ist als
Mineralwasser? Und warum produzieren die Bauern trotzdem immer mehr
und melken sich damit in den Ruin? Die SWR-Autoren Monika Anthes,
Edgar Verheyen und Christoph Würzburger unternehmen eine Spurensuche
in der paradoxen Welt der Milcherzeugung.

Jeden Morgen um sechs hat Doris Buhl eine feste Verabredung mit
ihren Kühen. Dann ist Melkzeit. Mit ihrem Mann bewirtschaftet sie das
Hofgut Homboll oberhalb von Weiterdingen am Bodensee. Doris Buhl
kennt und liebt ihre Tiere, ihren Bauernhof, die Natur. Doch sie hat
große Sorgen: Die Einnahmen aus dem Milchbetrieb reichen nicht mehr.
Sie weiß nicht, wie es weitergehen soll. Der Preis für Rohmilch ist
im freien Fall. Von 40 Cent im Januar 2014 sank er Ende Mai 2016
schon unter die 20 Cent Marke. Eine katastophale Entwicklung für
viele Bauern. Das Erste zeigt „Milchflut. Melken bis zum Ruin“ am
Montag, 27. Juni, ab 23:50 Uhr als „Story im Ersten“.

„Wachse oder weiche“ – nach diesem Muster haben sich viele
Milcherzeuger in der Vergangenheit massiv verschuldet und in größere
Tierbestände und moderne Stalltechnik investiert. Berater und Politik
hatten sie dazu ermutigt, in der Hoffnung, dass Milch aus Deutschland
und Europa weltweit immer ihre Abnehmer finden werde. Auch darum war
im April 2015 die sogenannte „Milchquote“ gefallen – eine
Produktionsbeschränkung, die 31 Jahre lang die Milcherzeugung in
Europa drosseln sollte. Peter und Wilhelm Habbena aus Krummhörn in
Ostfriesland haben sich fit gemacht für den Weltmarkt. Die Brüder
haben mehr als 1 Million Euro investiert und müssen nun massive
Einkommenseinbußen hinnehmen. Obwohl ihr Betrieb hocheffizient
arbeitet, stehen sie finanziell mit dem Rücken zur Wand. Denn der
freie Markt lässt die erzeugten Mengen weiter steigen und die Preise
für Milch noch weiter sinken. Viele Bauern sitzen in der
Schuldenfalle und melken sich immer tiefer in den Ruin.

Trotzdem wollen Europas Agrarpolitiker keine Rückkehr zu einer
staatlichen Mengensteuerung: „Die Lösung der Milchkrise muss im Markt
selbst und durch die Beteiligten gefunden werden“, sagt
Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt und empfiehlt als
Ausweg weiter den Export – auch in Länder der Dritten Welt. Mit
bedrückenden Folgen für die dortige Landwirtschaft. Eine „Sintflut“
billiger Milch überschwemme die Länder Afrikas, konstatiert Volker
Riehl, Entwicklungshilfeexperte bei Misereor. Es sei „verheerend zu
sehen, wie durch eine verfehlte Exportpolitik in Afrika Armut
gefördert“ werde. Somit zahlten auch die Menschen dort einen bitteren
Preis für die billige Milch in Europa.

Der Film läuft auch am Mittwoch, 29. Juni, ab 20:15 Uhr in der
Reihe „betrifft“ im SWR Fernsehen.

Fotos über ARD-Foto.de.

Pressekontakt: Sibylle Schreckenberger, Tel. 06131 929 32755,
sibylle.schreckenberger@SWR.de

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