Mindener Tageblatt: Kommentar zu: Die Kanzlerin und das Hochwasser / Heuchlerische Diskussion

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Darf eine Bundeskanzlerin, ein Ministerpräsident
oder überhaupt ein prominenter gewählter Verantwortungsträger in
(Vor-)Wahlkampf-Zeiten Katastrophengebiete besuchen und darüber
Berichte zulassen. Die ziemlich absurde Frage stellen heißt sie
beantworten: Selbstverständlich ja, was denn sonst? Die aktuelle
Diskussion um die Hochwasserfotos von Angela Merkel, gern garniert
mit dem Hinweis auf die erfolgreiche Deichgraf-Inszenierung ihres
Vorgängers Gerhard Schröder in vergleichbarer Lage vor elf Jahren,
ist genauso albern bis heuchlerisch, wie sie es damals schon war.
Völlig zu Recht erwarten die von der Katastrophe betroffenen Menschen
eine (nicht nur) symbolische Anteilnahme an ihrem Schicksal ebenso
wie die Zusage von Hilfe. Man stelle sich umgekehrt vor, Merkel
bliebe in ihrer Berliner Amtsstube und beschränkte sich auf verbale
Solidarität, zöge gar politische Routinetermine vor – Herzlosigkeit,
Desinteresse und instinktlose Selbstdarstellung wären noch das
Mindeste, was ihr berechtigt vorgeworfen würde, vermutlich von den
gleichen, die sich jetzt über „Hochwasser-Shows“ mokieren. Während
die Pegelstände im Süden zurückgehen und im Osten teilweise weiter
steigen, erlebt die Diskussion von 2002 eine Neuauflage: Wie weit ist
der Mensch mitschuldig an den von der Natur angerichteten Schäden,
was hätte verhindert oder wenigstens in seinen Ausmaßen geringer
gehalten werden können? Die Antworten sind, auch wegen der inzwischen
durchaus erreichten Verbesserungen im Hochwasserschutz, nicht
eindeutig. Fehler und Versäumnisse sind nach wie vor unbestreitbar.
Ebenso allerdings lehrt der Blick in die Geschichte auch, dass
vermeintlichen Jahrhundertereignissen durchaus auch solche von weit
größerem Zeitbezug folgen können. Der Mensch mag in dem Glauben
leben, sich die Natur untertan gemacht zu haben – sie wird ihn, allen
seinen Anstrengungen zum Trotz, jederzeit eines besseren belehren
können. Das dauert mal länger – und nun wohl auch einmal kürzer.

Pressekontakt:
Mindener Tageblatt
Christoph Pepper
Telefon: (0571) 882-/-248
chp@mt-online.de

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