Mittelbayerische Zeitung: Die Notbremse / Kommentar zu Strafzinsen für Bankkunden

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Die Banken und ihre Verbände versichern
unisono: Wenn ein Privatkunde (viel) Geld auf dem Giro- oder
Tagesgeld-Konto parkt, muss er dafür keine Gebühren zahlen. Der Fall
Gmund, der bundesweit für Schlagzeilen sorgte, bleibt auf Sicht
(noch) eine Ausnahme. Die Raiffeisenbank im Tegernseer Tal ist in der
Tat ein Sonderfall. Zu ihrer Entscheidung gab es keine Alternative.
Um deutlich zu machen, in welcher monetären Klemme sie steckt, musste
sie handeln. Das Geldinstitut hat überdurchschnittlich viele gut
betuchte Kunden. Parken diese beispielsweise eine Million Euro,
kostet das die Bank im Jahr 4000 Euro. Nachdem Argumente
offensichtlich ins Leere liefen, haben die Vorstände die Notbremse
gezogen. Sie beteiligen die Vermögenden an den Kosten für die
Geldhaltung. Das Prinzip ist transparent: Der Zinssatz von 0,4
Prozent wird einfach weitergereicht. Die Maßnahme, die so viel Furore
machte, betrifft im Übrigen weniger als 140 Kunden. Auch wenn ein
„Verwahr-Entgelt“ beziehungsweise Negativ- oder Strafzinsen im
Breitengeschäft noch kein Thema sind, ist eines klar: Der Druck auf
die Banken wird immer größer. Je länger die Nullzinspolitik der
Europäischen Zentralbank anhält, umso mehr müssen sich die
Kreditinstitute einfallen lassen, um ihre Finanzen einigermaßen in
Ordnung zu halten. Viele Geldhäuser bieten inzwischen keine
kostenlosen Girokonten mehr an oder erhöhen die Gebühren für
Kontoführung und Kreditkarten. Wo die Reise hingeht, ist schon jetzt
absehbar.

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Mittelbayerische Zeitung
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