Mittelbayerische Zeitung: Es geht um Verantwortung / Kommentar zum Pressekodex

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Lügen die Medien, wenn sie nicht sagen, woher
Verdächtige oder Straftäter kommen, während im Internet Herkunft oder
Religion desselben Täters oder Verdächtigen zu finden sind? Nein. Wir
diskriminieren einfach nicht. Woher jemand kommt, an was er glaubt,
welche Hautfarbe er hat, spielt erst einmal keine Rolle. „Der Syrer“
ist nicht per se straffälliger als „der Deutsche“. Warum sollte man
in der Berichterstattung diesen Zusammenhang zwischen Herkunft und
krimineller Neigung unterstellen, indem man ihn betont – außer man
möchte die Gesellschaft spalten in gut = deutsch, kriminiell =
Flüchtling? Und wie weit geht diese Diskriminierung? Warum sagen wir
dann nicht auch, wenn ein Österreicher einem Polen etwas klaut? Oder
ein Münchner einen Berliner verprügelt? Weil es keine Rolle für das
Verständnis der Tat spielt. Es kann Fälle geben, in denen das so ist.
Dann ist es unsere Aufgabe, uns damit auseinanderzusetzen und zu
entscheiden. Das tun wir täglich. Das Argument kann nicht sein, die
integrative Leistung, die im Pressekodex unter 12.1. festgelegt
wurde, über Bord zu werfen, nur weil es andere tun – auch manche
Behörden. Warum sollten wir die uns mit übertragene Verantwortung
abgeben? Weil wir sonst als Lügner gelten? Aber ist es nicht besser,
sich für eine Haltung zu verteidigen, die gut zu begründen ist, als
Handlanger derer zu werden, deren Ziel soziale Spaltung ist?

Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten@mittelbayerische.de

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