Mittelbayerische Zeitung: Gefilterte Wahrheit – Kommentar von Ulrich Krökel

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Es gibt diese historischen Momente: Ein
einzelnes Ereignis gibt dem Verlauf eines Krieges eine Wende. Man
denke an das Massaker von My Lai im Vietnamkrieg und die Reportage
des US-Journalisten Seymour Hersh über diesen Massenmord. Durch die
Veröffentlichung wurde der Krieg für die US-Führung unführbar. Der
Abschuss einer Boeing 777 über der Ostukraine hätte ein solcher
Moment sein können. Es kann kaum einen Zweifel daran geben, dass die
Separatisten das Flugzeug vom Himmel holten. Die ukrainischen
Behörden versagten, weil sie den Luftraum nicht sperrten. Beide
Seiten hätten Gründe gehabt, inne zu halten. Dennoch kam es im
Ukraine-Krieg zu keinem My-Lai-Moment, weil die Berichte über das
Geschehen nur gefiltert an die Öffentlichkeit gelangten. Vor allem in
Russland lief eine Propagandamaschine zur Desinformation an. Wer sich
daran erinnert, dass auch die Hersh-Reportage über My Lai lange
unveröffentlicht blieb, erkennt darin die Mechanismen kriegführender
Gesellschaften. Demokratische Staaten verfügen über die Stärke, sich
zu korrigieren. Das ist in gelenkten Demokratien wie der russischen
nicht der Fall.

Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
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