Mittelbayerische Zeitung: Kommentar von Katia Meyer-Tien zu Stolpersteine/München

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Die Bedenken gegen Stolpersteine in München
wogen schwer, zu schwer am Ende: Die Juden, ihre Namen und ihr
Gedenken sollten nicht erneut von Deutschen mit Füßen getreten
werden. Schon gar nicht in München, der einstigen Hauptstadt der
Bewegung. Das ist das Hauptargument nicht nur vieler Münchner
Stadträte, sondern vor allem auch der Israelitischen Kultusgemeinde,
die die größte Opfergruppe des Nationalsozialismus vertritt. Eine
Gedenkkultur gegen den erklärten Willen auch nur eines Teiles der
Nachkommen der Opfer durchzusetzen, wäre falsch. Auch wenn München
damit einen Sonderweg geht. Doch es gibt auch andere Stimmen, die
ebenfalls für die Opfer und ihre Nachfahren sprechen. Und die sich
für ein Gedenken mit Stolpersteinen aussprechen. Deswegen war es
richtig und wichtig, dass sich der Stadtrat noch einmal mit dem Thema
beschäftigt hat. Und seinen Entschluss vom April bekräftigte, statt
der Steine Gedenktafeln installieren zu wollen, an oder vor den
Häusern der Opfer. Das ist ein angemessener Kompromiss, der
dezentrale Denkanstöße und ein Gedenken auf Augenhöhe ermöglicht.
Wenn er jetzt schnell umgesetzt wird. Denn dass München seit mehr als
zehn Jahren höchst emotional über Stolpersteine diskutiert und
trotzdem noch immer keine passende Gedenkform realisiert hat, das ist
das eigentlich Denkwürdige an dieser Diskussion.

Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
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Telefon: +49 941 / 207 6023
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