Mittelbayerische Zeitung: Kommentar von Martin Anton zu Kirchenaustritten

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Eigentlich sollte mit dem neuen Papst alles
anders werden. Doch die Armutsshow, mit der Franziskus die Herzen und
religiösen Gefühle der Menschen berühren will, kann nicht darüber
hinwegtäuschen, dass der Katholizismus von seinem Markenkern nicht
abrückt. Das zeigt sich sowohl bei Themen wie Zölibat und
Homosexualität, als auch bei der Kündigung von wiederverheirateten
Kirchenmitarbeitern. Da kann das neue Personal noch so frisch
daherkommen, die Menschen erkennen trotzdem denselben alten Muff. So
überrascht es kaum, dass die Kirchenaustritte im Bistum Passau trotz
des neuen charismatisch lachenden Bischofs Oster noch mal um 35
Prozent gestiegen sind – eben weil er ein religiöser Hardliner und
kein Erneuerer ist. Im Bistum Regensburg könnte sich der
„Tebartz-Effekt“ niedergeschlagen haben. Als dem ehemaligen Limburger
Bischof hier „Asyl“ gewährt wurde, drohten bereits einige
Kirchenmitglieder mit Austritten. Das Festhalten an alten Dogmen und
Seilschaften ist umso fataler für die Kirche, als dass die Ursache
für die sinkenden Mitgliederzahlen – auch in der evangelischen Kirche
– in einer generelle Glaubenskrise in Deutschland liegt. Klar ist:
Religiöse Institutionen, in denen Rituale und Regeln wichtiger sind
als der Austausch über den Glauben, sind überflüssig.

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