Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zu Gabriel/Tsipras: Risse im Fundament von Christian Kucznierz

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Es war einmal in einer nicht all zu fernen
Vergangenheit, da waren die Griechen die Schmuddelkinder der EU. Faul
angeblich, korrupt ohnehin, nicht zu Reformen bereit und unter der
Führung von Alexis Tsipras– Syriza auch noch so vermessen, sich nicht
dem Druck der Geldgeber zu beugen. SPD-Chef Sigmar Gabriel, der sich
nun um eine Annäherung an Tsipras bemüht, gehörte mit zu den
Kritikern. Freilich: Er war nicht allein. Und dass unter dem
Vorzeichen des Brexit-Votums alle Anstrengungen dahin gehen, eine
weitere Krise in der EU zu vermeiden, ist verständlich. Die Frage ist
nur, ob es insgesamt nicht auch eine Nummer kleiner gegangen wäre.
Richtig ist, dass das Pokerspiel zwischen Athen und Brüssel auf
seinem Höhepunkt bizarre Formen angenommen hatte. Dass der
Unterschied zwischen Politik und blanker Erpressung beizeiten schwer
zu erkennen war. Richtig ist aber auch, dass das verbale Wettrüsten
innerhalb einer Gemeinschaft, die sich durch gemeinsame Werte
definiert, nicht unbedingt zu einer Begeisterung für das Projekt
Europa geführt hat – ebenso wenig, wie die zahnlosen Drohungen
seitens der Geldgeber nicht unbedingt das Vertrauen in eine
funktionierende Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft gestärkt haben.
Es ist sicher nicht so, dass der Weg von einem drohenden Grexit zum
tatsächlichen Brexit geführt hat. Aber viele Risse im Fundament sind
damals entstanden.

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