Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zu Terrorismus und Religion: Mittelalterlich von Claudia Bockholt

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Darf man einem Mörder eine seinem Glauben
entsprechende Bestattung verwehren? Ein Christ muss aus tiefster
Überzeugung „Nein“ sagen. Jeder Mensch verdient die Chance auf
Barmherzigkeit, Verzeihen, sogar Vergebung. Wer Selbstmordattentätern
das Recht auf ein Begräbnis nach islamischem Ritual abspricht, begibt
sich stracks zurück ins Mittelalter, in dem auch Christen noch das
„Eselsbegräbnis“ kannten. Sie schleiften Selbstmörder zum
Schandanger, wo die Toten nachträglich symbolisch hingerichtet
wurden. Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurden sie abseits, an der
Friedhofsmauer bestattet. Man berief sich auf die Bibel, fürchtete
jedoch insgeheim in uraltem Aberglauben die Wiederkehr der sündigen
Toten. Es wäre ein Fehler, sich gegen eine Bestattung der Attentäter
von Würzburg und Ansbach zu sträuben: Gläubige, gleich welcher
Bekenntnis, sollten vielmehr vorleben, dass das biblische Motto „Auge
um Auge, Zahn um Zahn“ nicht länger Maxime sein darf. Es hat uns ja
erst in den unseligen Kreislauf von Mord und Vergeltung geführt, der
uns nun den Seelenfrieden raubt.

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Mittelbayerische Zeitung
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