Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zum Flaggenstreit in den USA: Im Schatten der Sklaverei, von Thomas Spang, MZ

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Mit der Wahl Barack Obamas ins Weiße Haus haben
einige den Rassismus in den USA für überwunden gehalten. Leider ist
das nur die halbe Wahrheit. Der Flaggenstreit von South Carolina
erklärt warum. Auch in diesem Teil des Landes nimmt niemand mehr in
guter Gesellschaft das Wort „Nigger“ in den Mund. Oder setzt sich
ungeschützt für ein System der Apartheid ein. Doch der
gesellschaftliche Boden, auf dem Rassismus wächst und gedeiht, ist
weiterhin fruchtbar. Die Mehrheit der Schwarzen bleibt verdammt zu
einem Leben in permanenter Armut. Sie haben in der Regel keinen
Zugang zu ordentlichen Schulen, sind die ersten, die ihre Jobs
verlieren und die letzten, die wieder einen finden, werden
überproportional häufig hinter Schloss und Riegel gesperrt und sind
die Hauptleidtragenden der radikalen Rotstiftpolitik weißer
Politiker. Keine Hilfe für „diese Leute“ Es ist kein Zufall, dass
ausgerechnet die republikanisch regierten Südstaaten, die
Medicaid-Gesundheitsversicherung für die Armen nicht ausgeweitet
haben, obwohl Washington die Mittel dazu bereitgestellt hatte. Wie
gerade hier auch nicht in öffentliche Infrastruktur investiert wird.
Käme doch vieles davon „diesen Leuten“ (Afro-Amerikaner) zu Gute. Die
Flagge der Südstaaten weht über all dem als bigottes Symbol einer
Gesellschaft, die partout nicht in den Spiegel schauen will. Sonst
könnte sie erkennen, wie sie ein neues „Jim Crow“-System geschaffen
hat, das Millionen Menschen systematisch vom amerikanischen Traum
ausschließt. Stattdessen wird in der Verklärung der „Stars and Bars“
als „historisches Erbe“ munter Geschichtsklitterung betrieben. Als ob
die Südstaaten-Fahne in dem Staat, in dem der erste Schuss des
Bürgerkriegs fiel, jemals für etwas andere als den Widerstand gegen
die Abschaffung der Sklaverei gestanden hätte. Für Rassisten, wie den
Massenmörder von Charleston, der vor der Fahne posierte, war
jedenfalls hinreichend klar, welche Bedeutung sie hat. Dem Rassismus
die Grundlage nehmen Vor diesem Hintergrund verdient die Kehrtwende
der Gouverneurin und der beiden US-Senatoren von South Carolina im
Flaggenstreit Anerkennung. Es muss aber viel mehr geschehen, dem
Boden des Rassismus seine Nährstoffe zu entziehen. Davon aber sind
Teile der USA noch weit entfernt. Obama hat Recht, wenn er in den
Ereignissen von Charleston die langen Schatten der Sklaverei sieht.

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