Mittelbayerische Zeitung: Lasst die Kunst frei! / Kommentar zu Jugendkultur/Graffiti

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Manchmal freut man sich, wenn man auf einer
Bahnfahrt an schäbigen Hinterhoffronten farbenfrohe Kunstwerke
entdeckt. Und manchmal ärgert man sich, wenn frisch renovierte
Fassaden schon wieder mit Kritzeleien überzogen sind. Ob illegale
Graffiti-Sprayer es entspannt hinnähmen, wenn man ihr Auto über Nacht
mit rosa Blümchen bemalte? Wohl nicht. Es sind keineswegs nur
Spießer, die bemerken, dass sich nicht hinter jedem Tag ein
Botticelli mit Sprühdose verbirgt. Genausowenig ist nicht alles bloß
Schmiererei, was nicht im staatlichen Museum hängt. Die Frage, ob das
Kunst ist, oder ob man da mit dem Sandstrahler oder Wandfarbe
drübergehen darf, beantwortet das Grundgesetz. Es stellt Eigentum
unter Schutz. In Deutschland wenden Immobilienbesitzer jährlich
Hunderte Millionen Euro auf, um unerwünschte Kunstwerke entfernen zu
lassen. Wer sich also gegen Graffiti wehrt und Anzeige erstattet, hat
dazu jedes Recht. Klug sind die Kommunen und Unternehmen, die den
Sprühdosenaktivisten freiwillig schön große Beton-Leinwände an gut
einsehbarer Stelle zur Verfügung stellen. Kunst kann sich hier frei
entfalten, die Kreativität, die es hinausdrängt, ist nicht mit
Instandsetzungskosten verbunden. Und junge Leute, die die Folgen
ihres Handelns vielleicht noch nicht in vollem Umfang absehen können,
werden nicht über Nacht zu Straftätern.

Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten@mittelbayerische.de

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