Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel von Thomas Spang zu USA/Donald Trump

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Die Partei Abraham Lincolns steht nach diesem
Super-Dienstag kurz davor, zu Donald Trumps Wahlverein zu werden. Mit
sieben Siegen in elf Bundesstaaten versetzt der Rechtspopulist einer
Ära den Todesstoß, die vom Konservativismus der Bush-Dynastie geprägt
war. Die Koalition aus wohlhabenden Country-Club-Republikanern, die
wenig Steuern bezahlen wollen, moderaten Kirchgängern, denen
traditionelle Werte wichtig sind, und neokonservativen Falken, die
Geschmack an militärischen Interventionen haben, wird von einer
Melange aus Nationalisten und Nativisten verdrängt. So gesehen
treffen Kritiker den Nagel auf den Kopf, die Trump vorhalten, kein
Konservativer zu sein. Der Rechtspopulist erfüllt nicht im
Entferntesten die bisher dafür geltende Definition. Der Milliardär
aus New York verspricht nicht einen kleinen, sondern einen
autoritären Staat. Trump will die USA bis an die Zähne aufrüsten,
Terroristen foltern und kritische Journalisten mundtot machen. Er
setzt auf Abschottung im Handel, eine Mauer an der Südgrenze und ein
temporäres Einreiseverbot für Muslime. Statt Amerikas Macht durch die
nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffene internationale Ordnung
verträglicher zu gestalten, setzt Trump auf Überlegenheit. Notfalls
zu Lasten bestehender Bündnisse. Sein Ideal erfolgreicher
Außenpolitik ist nicht die Diplomatie eines Colin Powell, sondern das
Poltern des Rambo–s John Bolton. Dass Trump mit dieser kruden
„Amerika-über-alles“-Mixtur auf Resonanz stößt, haben sich die
Parteiführer selber zuzuschreiben. Viel zu lange hießen sie in ihren
Reihen Leute willkommen, die offen gegen Mexikaner und Muslime
Stimmung machten. Diesen Geist bekommen sie nun nicht zurück in die
Flasche. Die Wutbürger, Ungebildeten und Globalisierung-Verlierer
stellen die Fußtruppen der Trump-Bewegung, die das als korrupt
angesehene Establishment der Republikaner überwältigt. Dessen
Unfähigkeit, die Gefahr zeitig zu erkennen, erklärt das Versagen
Marco Rubios am Super-Dienstag. Der einstige Hoffnungsträger der
Konservativen wagte erst, als er mit dem Rücken zur Wand stand, Trump
als das zu kritisieren, was er wirklich ist: ein Rabauke und
Scharlatan, der nie Präsident werden darf. Trump versucht, sich
derweil den Mantel Ronald Reagans umzuhängen. Der Parteiheilige der
Republikaner führte wie Trump einen erfolgreichen Aufstand gegen das
Establishment. Gemeinsam haben die Beiden gewiss auch, von den Eliten
der Republikaner und den Medien chronisch unterschätzt worden zu
sein. Reagan war wie Trump ein Entertainer und sprach über die
Parteigrenzen hinweg Arbeiter und Kleinbürger an. Doch da hören die
Gemeinsamkeiten schon auf. Reagan machte sich weder als Isolationist
noch als Protektionist und schon gar nicht als Rassist einen Namen.
Die Amerikaner sahen in ihm einen Optimisten, der an traditionelle
Werte appellierte. Trump ist ein Zyniker, der auf die niedrigsten
Instinkte seiner Anhänger setzt. Die letzte, beste Hoffnung, die
Trump-Bewegung aufzuhalten, besteht nach diesem Super-Dienstag darin,
eine Delegierten-Mehrheit auf dem Parteitag in Cleveland zu
verhindern. Dann bestünde theoretisch die Chance, einen anderen
Kandidaten aufs Schild zu heben. Letztlich hilft das Chaos in der
„Grand Old Party“ vor allem einer Person: Hillary Clinton. Die
Aussicht auf einen republikanischen Kandidaten Trump unterstützt die
Demokratin dabei, ihre Partei zu einen. Vor allem die Angehörigen der
gesellschaftlichen Minderheiten in den USA sehen in ihr eine
Kämpferin, die es mit dem xenophoben Großmaul aufnehmen kann.

Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
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