Mittelbayerische Zeitung: Mittelbayerische Zeitung (Regensburg) zu „Putin“

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Weicher Kern

von Oxana Bytschenko, MZ

Wladimir Putin hat sich bei seinem harten Kurs auf seine
Gefolgschaft verlassen, weil er aus der KGB-Zeit noch die
Untergebenheit seiner Mitarbeiter kennt. Doch er hat unterschätzt,
dass diese Untergebenen inzwischen andere Interessen als wichtiger
erachten als die Putins – ihre eigenen. Das ist der weiche Kern der
Putin-Politik. Deshalb steigen zum Beispiel die Kosten für Olympia:
In der Befehlskette von Kreml bis Sotschi bedient sich jeder, wo er
kann. Kontrolle ist ein Fremdwort in Russland, es sei denn, es geht
um die Opposition oder NGOs. Doch immer mehr Menschen in Russland
verstehen, dass sie das Recht haben, die Staatsdiener zu
kon-trollieren. Immerhin werden von ihren Steuergeldern deren
Gehälter bezahlt. So mischen sie sich durch Blogs und Proteste in
Prozesse und Gesetzentwürfe ein, prangern Korruption, selbst auf
kleinen Ebenen, an. Und immer mehr Duma-Abgeordnete räumen den
Sessel. So verstehen die Bürger, dass sie Einfluss nehmen können: auf
die Entwicklung ihrer Stadt, ihrer Region und ihres Landes.
Deutschland sollte seine Unterstützung für die russischen Bürger
zeigen. Wenn die russische Justiz soweit ist, tote Menschen zu
verurteilen und an den Haaren herbeigezogene Prozesse gegen
Oppositionspolitiker zu veranstalten, kann von Menschenrechten keine
Rede mehr sein. Diesmal geht es nicht um Punk-Frauen, die in Kirchen
singen; es geht um einen wichtigen Partner Deutschlands, der für sein
Image Unmengen von Geld verschleudert, das dann für elementare
Staatsaufgaben fehlt – und deren Regierung Kinder als Schutzschild
missbraucht.

Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
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