Mittelbayerische Zeitung: Von allen Seiten gut / In Regensburg beginnt der Bau des Bayern-Museums. Das ist aus vielen Gründen ein Tag der Freude. Leitartikel von Marianne Sperb

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Der Grundstein für das Museum der Bayerischen
Geschichte ist gelegt. Das Prestigeprojekt steuert auf die
Zielgerade. In drei Jahren, am 26. Mai 2018, eröffnet das Haus am
Donaumarkt. Bayern und speziell Regensburg können sich freuen – aus
vielen Gründen. Aus der Nahsicht schöpft Regensburg aus dem 67
Millionen Euro teuren Projekt reichen Ertrag. Der Komplex heilt die
alte Wunde der Welterbestadt. Die dominante Ecke am Donaumarkt, lange
Zeit eine öde Brache an Regensburgs Premiumlage, bekommt eine Nutzung
und ein Gesicht. Die Architektur stand und steht in der Kritik. Der
Entwurf des Frankfurter Büros Woerner und Partner wird als Monster
und Schachtel geschmäht, auf Youtube kursiert ein Spott-Video über
das Modell, das sich gegen spektakuläre Konkurrenz durchgesetzt hat,
gegen 254 Entwürfe, ausgehängt auf 900 laufenden Metern. Unabhängig
von der Kritik: Tatsächlich entsteht an der Donau – endlich – ein
markantes Stück zeitgenössischer Baukunst. Der interessant verkantete
Naturstein-Bau ist mit seinen abfallenden und aufsteigenden
Dachflächen geradezu in die Altstadt hineinkomponiert. Seine teils
kleinporig gerasterte Fassade reißt ein großes Fenster zum Dom auf,
hinter dem sich ab 2018 die Abteilung „Der Himmel der Bayern“ auftun
wird. Das Haus schenkt offenen Durchblick vom Kolpinghaus zur Donau,
gibt eine grandiose Terrasse zum Fluss frei und nimmt mit einer Fuge,
die die historische Gassensituation zitiert, den einstigen
Altstadt-Grundriss in seinen Körper auf. Der touristische, der Image-
und der wirtschaftliche Faktor addieren sich zu diesem entscheidenden
architektonischen Plus. Aus der Draufsicht, weiter gefasst gedacht,
bekommt Bayern am richtigen Ort ein Museum, das als einziges seine
jüngere Geschichte, die des 19. und 20. Jahrhunderts, dokumentiert.
25 Kommunen hatten sich für das Projekt beworben. Aber
bezeichnenderweise begann die Standort-Debatte noch am Tag nach der
Entscheidung zu verstummen. Regensburg, in der Mitte Bayerns gelegen,
ist der stimmige Ort, nicht nur aus Sicht der Lokalpatrioten: Mit
2000 Jahren hochkarätiger Geschichte ankert die Stadt in einer
historischen Tiefe, die ideal die Inhalte des Hauses spiegelt. Es
gibt die Sicht von unten: Das wird die Perspektive sein, aus der das
Museum Bayerns Vergangenheit aufblättert, nicht einseitig als hehre
Haupt- und Staatsaktion, sondern betont anhand von Zeugnissen aus dem
Leben des kleinen Mannes. Ein Soldatenhelm mit Einschussloch, eine
Chianti-Flasche, ein Parfümierautomat oder ein Protestplakat werden
uns erzählen von Kriegstreibern, Wirtschaftswunder oder
WAA-Wider-stand. Wir werden Episoden erfahren über königlichen Prunk
und gemeine Armut, über Opfer und Heldentaten, über Siege, Verrat und
Unmenschlichkeit, über bayerische Erfinderlust und weiß-blaues
Traditionsbewusstsein. Das Haus will, worum es in Museen immer geht:
„eine Geschichte gut erzählen“. Das wird lebensnah, auch witzig
inszeniert, jedenfalls ohne Langeweile, die manchmal als Kennzeichen
der Wissenschaftlichkeit missverstanden wird, und barrierefrei in
einem Sinn, wie ihn angelsächsische Häuser pflegen – also frei von
allem, was Besucher hindert, mehrmals im Jahr ins Haus zu kommen. Das
Haus wird nachvollziehen lassen, wie wir wurden, was wir sind – und
werden können. Das ist viel in einer Gesellschaft, die einerseits
Pseudotraditionen pflegt und andererseits immer ahistorischer wird.
Das Museum zieht die Linie von der Vergangenheit in die Zukunft. Es
wird sich, mit der Bavariathek als digitalem Gedächtnis, permanent
verjüngen, ein Wissensspeicher, in den fortlaufend eingespeist wird
und der beides bedient: die Notwendigkeit, sich zu erinnern, und den
Neugier, wohin das alles führt. Regensburg und Bayern können sich
freuen auf dieses Haus.

Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten@mittelbayerische.de

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