Mittelbayerische Zeitung: Zum Greifen nah / Ein Klimaabkommen scheint in Reichweite. Doch für einen Durchbruch braucht es noch ein Umdenken. Leitartikel von Christine Straßer

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Beim Klimagipfel in Paris läuft die
entscheidende Phase. Vielleicht nehmen die 196 Verhandlungspartner
heute eine Einigung an, die den Weltklimaschutz auf Kurs bringt.
Vielleicht wird noch über das Wochenende weiter verhandelt. Auch das
wäre kein schlechtes Zeichen. Ziel ist es, den durch Treibhausgase
verursachten Klimawandel zu stoppen. Aus Verhandlungskreisen dringt
vorsichtiger Optimismus, was einen weltumspannenden Klimavertrag
angeht. Wer sich jedoch von Paris die große Erfolgsmeldung erhofft,
wird enttäuscht werden. Ein Vertrag, der das Problem der Erderwärmung
löst, wird – auch wenn das wünschenswert wäre – am Ende nicht auf dem
Tisch liegen. Das kann ein Vertrag allein gar nicht leisten.
Gleichwohl ist es wichtig, dass in Paris ein Vertragsabschluss
zustande kommt und dass um Einzelheiten und Überprüfungsverfahren
gerungen wird. Derlei Auseinandersetzungen sind wichtig, um in Sachen
Klimaschutz voranzukommen. Die Welt muss handeln. Und die meisten
Staaten haben das auch begriffen. Die Zeiten, in denen auf solchen
Gipfeln darüber gestritten wurde, ob der Klimawandel überhaupt
wissenschaftlich erwiesen ist, sind glücklicherweise vorbei. Das
hängt damit zusammen, dass der Klimawandel keine abstrakte Bedrohung
mehr ist. Die Folgen sind inzwischen vor den Haustüren spürbar – auch
in Bayern. Aus dem diese Woche vorgestellten Klimareport für Bayern
geht hervor, dass der Klimawandel im Freistaat bereits zum Greifen
ist. Beispielsweise an der Wasserversorgung zeigt sich, wie
einschneidend dieser Wandel sein könnte. Im vergangenen Rekordsommer
wurden 150 Millionen Kubikmeter Wasser von Bayerns Süden in den
staubtrockenen Norden gepumpt. Das Ausgleichssystem hat funktioniert,
aber es war hart an der Grenze. Und dieser Sommer war nur ein kleiner
Vorgeschmack von dem, was kommen wird, wenn sich nichts ändert. Wille
zur Veränderung ist in Paris spürbar. Um das Geschacher um Zielwerte
zu vermeiden, haben die Organisatoren zu einem Trick gegriffen. Sie
haben eine Art Klimakollekte gestartet. Und siehe da, 185 Regierungen
haben Beiträge eingereicht. Darunter sind bemerkenswerte
Zugeständnisse. Sogar die Großverschmutzer China und die USA haben
angekündigt, regenerative Energien im großen Stil ausbauen zu wollen.
Das alles ist nicht ausreichend. Aber daran lässt sich anknüpfen.
Knackpunkt im Verhandlungspoker ist das Geld. Die Entwicklungs- und
Schwellenländer vermissen Finanzzusagen der Industrieländer. Mit
ihren Abgasen tragen die Industrieländer eine historische
Verantwortung. Die Entwicklungsländer fordern eine finanzielle
Wiedergutmachung, nur dann können und werden sie auf den Klimakiller
Kohle verzichten. Aber diese Zweiteilung der Welt greift zu kurz. Das
macht die Verhandlungen so schwierig. Ein Beispiel: Warum sollte das
gebeutelte Griechenland an das ölreiche Katar Klimaschutzgelder
überweisen? Katar gilt als Entwicklungsland. Mit seinen zwei
Millionen Bewohnern produziert es fast ebenso viel Treibhausgase wie
99 Millionen Philippiner. Auch die Philippinen gelten als
Entwicklungsland. Von der strikten Aufteilung in Ländergruppen müssen
sich die Unterhändler in Paris also lösen. Bemerkenswert ist deshalb
eine „Koalition der Ehrgeizigen“. Rund 90 Staaten – also fast die
Hälfte der Delegationen -, darunter die EU, die USA sowie Länder aus
dem Pazifik, der Karibik, Afrika und Lateinamerika machen mit. Sie
fordern ein Ergebnis, das dem Weltklima tatsächlich hilft. Dafür
müssen sie bis zum Ende um Details ringen. Gelänge es, die bisherige
Zweiteilung zu überwinden, dann wäre das tatsächlich ein Durchbruch.

Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten@mittelbayerische.de

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