Mitteldeutsche Zeitung: DDR-Vergangenheit Bundesstiftung will Arbeit nicht nur auf Stasi-Tätigkeit reduzieren

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Die Geschäftsführerin der Bundesstiftung zur
Aufarbeitung der SED-Diktatur, Anna Kaminsky, hat angesichts der
Debatten um die Zukunft der Stasi-Unterlagenbehörde betont, dass man
sich nicht allein auf die Stasi konzentrieren dürfe. Wichtig sei
zudem die Aufarbeitung in den ostdeutschen Ländern – und im Westen.
Auch deshalb benötige die Stiftung eine verlässlichere finanzielle
Unterstützung des Bundes. „Die Stasi-Unterlagen müssen zugänglich
bleiben“, sagte sie der in Halle erscheinenden „Mitteldeutschen
Zeitung“ (Donnerstag-Ausgabe). „Das ist ein Symbol der friedlichen
Revolution.“ Die ehemalige Stasi-Zentrale in Berlin solle zu einem
symbolischen Ort ausgebaut werden und zeigen, welche Rolle die Stasi
für die SED-Diktatur gespielt habe. „Allerdings kann es insgesamt
nicht um die Stasi allein gehen. Denn die Stasi war das Ross, und die
SED war der Reiter“, fügte Kaminsky hinzu. Im Übrigen gebe es
Landesbeauftragte, die Landeszentralen für politische Bildung und
zahlreiche Initiativen, die sich um DDR-Aufarbeitung kümmerten. Der
Stiftung sei es „wichtig, diese dezentrale und vielfältige
Aufarbeitungslandschaft zu erhalten. Im Westen müssen wir die
Auseinandersetzung mit der kommunistischen Diktatur als
gesamtdeutsches Thema stärken. Wir müssen davon weggekommen, das als
Ost-Thema zu betrachten.“ Es gehe „nicht um einen Schlussstrich“. Die
Geschäftsführerin erklärte: „Wir haben aufgrund der niedrigen Zinsen
Probleme, ausreichend Projektmittel für die dezentrale Aufarbeitung
zur Verfügung zu stellen und müssen viele gute Projekte ablehnen.“ Im
Bereich der Bildung hätten die Aufgaben aber eher noch zugenommen,
weil jüngere Menschen von der DDR nichts mehr wüssten. Auch die
Hunderttausenden DDR-Opfer bräuchten weiter Hilfe. „Zwar hat uns der
Bundestag in den letzten Jahren jeweils mit einem Sonderzuschuss von
500 000 Euro jährlich gerettet“, so Kaminsky. „Doch wir brauchen eine
grundsätzliche Lösung. Aufarbeitung gibt es nicht zum Nulltarif.“ Bei
der Bundesstiftung Aufarbeitung sind 23 Frauen und Männer angestellt.
Sie hatte 2015 einen Haushalt von 5,5 Millionen Euro. Dabei reicht
die Stiftung 90 Prozent des Geldes an dezentrale Projekte weiter.

Pressekontakt:
Mitteldeutsche Zeitung
Hartmut Augustin
Telefon: 0345 565 4200

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