Mitteldeutsche Zeitung: Innenpolitik/ Sachsen-Anhalt Neuer Studiengang in Halle geplant: Pfleger mit Arzt-Aufgaben

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An der Medizinischen Fakultät der
Martin-Luther-Universität in Halle wird derzeit ein in Deutschland
einmaliger Studiengang entwickelt. Absolventen im Bereich
Pflegewissenschaft sollen als Pflegekräfte auch bestimmte
„heilkundliche Tätigkeiten“ übernehmen – also zum Beispiel bei der
Versorgung von chronischen Wunden selbstständig kleine chirurgische
Eingriffe vornehmen. Das berichtet die in Halle erscheinende
Mitteldeutsche Zeitung (Samstagausgabe). Das Modellprojekt soll noch
in diesem Jahr starten. Was noch fehlt ist die Zustimmung des
Bundesgesundheitsministeriums. Vorbehalte gibt es aus Teilen der
Ärzteschaft. Der Pflege in den Krankenhäusern, aber auch in den
Arztpraxen kommt immer größere Bedeutung zu, entsprechend ändern
sich die Anforderungen bei der Ausbildung. Die Medizinische
Fakultät in Halle hat sich schon vor Jahren auf diese Entwicklung
eingestellt. Mittlerweile besitzt Halle mit der Pflegeforschung in
der Wissenschaftslandschaft ein Alleinstellungsmerkmal. Damit wird
auch die Medizinische Fakultät als Ganzes gestärkt. Der neue
Studiengang kann diese Entwicklung weiter vorantreiben. Bislang
werden jeweils 40 Studenten im Fachbereich Pflegewissenschaft
ausgebildet. Ausgestattet mit einem Bachelor-Abschluss gehen viele
in die Forschung oder übernehmen organisatorische Aufgaben in der
Pflege. In dem neuen Studiengang sollen Studenten nach Angaben von
Professor Oliver Thews, der das Modell mit entwickelt hat, zusätzlich
eine vollständige pflegerische Ausbildung erhalten. Ihnen sollen
zudem medizinischen Grundlagen für spätere heilkundliche Tätigkeiten
vermittelt werden. Neben der Wundversorgung nennt Thews drei weitere
Bereiche, in denen studierte Pfleger eigenständig arbeiten könnten:
Sie sollen bei Diabetikern die Dosierung der Medikamente anpassen,
bei Patienten mit zu hohem Blutdruck therapeutische Maßnahmen
veranlassen und auch an Demenz erkrankte Menschen versorgen. Mit dem
Modellstudiengang will die Fakultät auf die geänderten
Anforderungen in der Ausbildung reagieren. „Die Differenzierung in
der Pflege wird einen immer größeren Stellenwert einnehmen“, sagte
Thews der Zeitung. Ärzte könnten so etwa von bestimmten Aufgaben
entlastet werden. Für die Kassenärztliche Vereinigung als
Dachverband niedergelassener Haus- und Fachärzte in Sachsen-Anhalt
gibt es allerdings noch Diskussionsbedarf. Wie deren Vorsitzender
Burkhard John der Zeitung sagte, wehre man sich nicht grundsätzlich
gegen den neuen Studiengang. Es sei erfreulich, wenn Pflegekräfte
noch besser qualifiziert werden. Es bestehe aber die Gefahr, das in
den Haus- und Facharztpraxen durch diese Fachkräfte eine weitere
Handlungsebene entstehe. Dadurch könne es zu Abstimmungsproblemen mit
dem Arzt und möglicherweise zu höheren Kosten kommen.

Pressekontakt:
Mitteldeutsche Zeitung
Hartmut Augustin
Telefon: 0345 565 4200

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