Mitteldeutsche Zeitung: Innenpolitik Sachsen-AnhaltÄltere Arbeitslose haben kaum Chancen am Arbeitsmarkt

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Der Aufschwung am Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt
geht an älteren Erwerbslosen weitgehend vorbei. Sie haben es äußerst
schwer, eine neue Stelle zu finden. Die Wahrscheinlichkeit, jenseits
des 55. Lebensjahres wieder einen neuen Job zu bekommen, ist dreimal
so gering wie bei Jüngeren, sagt der Chef der Landesarbeitsagentur,
Kay Senius der in Halle erscheinenden Mitteldeutschen Zeitung
(Samstagausgabe). Eine statistische Auswertung ergab, dass im Schnitt
monatlich 113 von 1 000 Arbeitslosen unter 25 Jahren eine
Beschäftigung aufnehmen. Das gelang pro Monat aber nur 36 von 1 000
Arbeitslosen über 55 Jahren. Die Ursachen dafür sind laut Senius
neben gesundheitlichen Einschränkungen vor allem Vorurteile gegenüber
der Einstellung älterer Menschen. „Noch immer existiert die
Vorstellung, dass sie weniger leistungsfähig sind“, so Senius. Der
Arbeitsmarktexperte Karl Brenke vom Deutschen Institut für
Wirtschaftsforschung in Berlin spricht von einem „Teufelskreis“.
Viele Arbeitgeber schrieben ältere Arbeitslose ab, so dass deren
Selbstwertgefühl sinke und sie sich selbst auch abschrieben. Dabei
hätten Studien belegt, dass ältere Arbeitnehmer nicht weniger
leistungsfähig sind – nur anders. „Sie sind wahrscheinlich öfters
krank, machen dafür aber weniger schwerwiegende Fehler und sind
verlässlicher“, sagte Brenke der Zeitung. Im Dezember 2015 waren in
Sachsen-Anhalt rund 44 700 Frauen und Männer arbeitslos
registriert, die 50 Jahre und älter sind – gegenüber dem
Vorjahresmonat ein Rückgang um 2,2 Prozent. Doch der beruht vor
allem darauf, dass viele ältere Arbeitslose in Rente gehen. Nur 30
Prozent der Arbeitslosen über 50 Jahre nahm 2015 nach Angaben der
Arbeitsagentur eine reguläre Erwerbstätigkeit auf. Mehr als die
Hälfte ging in den Ruhestand oder meldete sich ab, der Rest nahm vor
allem an Weiterbildungen und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen teil. Die
Situation in Sachsen-Anhalt unterscheidet sich dabei nicht
grundlegend von anderen Bundesländern. Wie schwierig die Situation
ist, zeigt sich auch daran, dass knapp die Hälfte (44 Prozent) der
älteren Arbeitslosen im Land länger als ein Jahr keinen Job hat.
Viele drohen in Hartz IV abzurutschen. Die offiziellen
Arbeitslosenzahlen spiegeln auch nicht das gesamte Bild. Seit 2008
gelten Erwerbssuchende, die älter als 58 Jahre sind, nicht mehr als
arbeitslos, wenn sie länger als ein Jahr Hartz IV beziehen und keine
sozialversicherungspflichtige Beschäftigung angeboten bekommen. In
Sachsen-Anhalt sind dies immerhin 11 000 Arbeitslose, die nicht mehr
als solche gezählt werden. Angesichts von 115 000 Arbeitslosen im
Land insgesamt sind dies fast zehn Prozent, die aus der Statistik
verschwunden sind. Der Landeschef des Deutschen Gewerkschaftsbundes
(DGB), Udo Gebhardt, sieht die Situation mit Sorge. Zumal das Land
vor großen Herausforderungen bei der Integration von Geflüchteten in
Ausbildung und Arbeit stehe. „Aus dieser problematischen Gemengelage
lassen sich aber auch Lösungen zum Vorteil für Sachsen-Anhalt
insgesamt finden“, sagte Gebhardt der Zeitung. Sein Vorschlag: Die
für die Integration von Geflüchteten notwendigen Strukturen müssten
ausgebaut werden. „Da können die über 50-Jährigen nach Training und
Qualifikation einen Beitrag leisten“, sagte Gebhardt.

Pressekontakt:
Mitteldeutsche Zeitung
Hartmut Augustin
Telefon: 0345 565 4200

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