MONITOR-Studie: „Rente für alle“ bringt höhere Renten bei niedrigeren Beiträgen

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Wirtschaftsweiser spricht von „erstaunlichen
Ergebnissen“

Wenn alle Deutschen, also auch Selbständige und Beamte, in die
gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, kann das Rentenniveau
erhöht und gleichzeitig der Anstieg der Beiträge über einen langen
Zeitraum gebremst werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue
Langfristprojektion der Ruhr-Universität Bochum für das ARD-Magazin
MONITOR (heute, 21:45 Uhr im Ersten). „Die Ergebnisse der Berechnung
sind erstaunlich“, so der Wirtschaftsweise Prof. Peter Bofinger.

Die Berechnung von Prof. Martin Werding (Ruhr-Universität Bochum)
simuliert bis ins Jahr 2060 hinein die Wirkung einer einheitlichen
Erwerbstätigenversicherung. Wenn Selbständige und Beamte auch
einzahlen würden, blieben die Beitragssätze demnach wesentlich länger
stabil als nach dem jetzt geltenden System, selbst bei steigendem
Rentenniveau.

Würde die Politik das Rentenniveau beispielsweise von derzeit 47,8
% wieder auf 52,6 % erhöhen – den Wert vor der letzten Rentenreform
2001 – würde der Beitragssatz in 20 Jahren nur moderat steigen, auf
22,8 %. Er wäre damit genauso hoch wie nach dem jetzt geltenden
System, obwohl dieses zu einem deutlich niedrigeren Rentenniveau von
nur noch 43,7 % führt. Im Jahre 2060 läge der Beitragssatz bei
Einführung einer Erwerbstätigenversicherung sogar fast zwei
Prozentpunkte niedriger als im derzeitigen System – trotz des
deutlich höheren Rentenniveaus.

„Wie stark und anhaltend der Effekt ist, hat mich überrascht“, so
Prof. Martin Werding nach der Auswertung. Auch für den
Wirtschaftsweisen Prof. Peter Bofinger spricht „viel dafür, dass man
künftig die Selbständigen und wahrscheinlich auch die Beamten
einbeziehen muss“, so Bofinger in MONITOR (WDR). Dies dürfe aber im
Ergebnis nicht dazu führen, dass die Altersversorgung der Beamten
verschlechtert werde.

Das SPD-geführte Bundesarbeitsministerium steht der Einführung
einer Erwerbstätigenrente trotz der neuen Studienergebnisse skeptisch
gegenüber. „Eine Entlastung der Rentenfinanzen (bzw. höheres
Rentenniveau) kann über die Einbeziehung zusätzlicher Personengruppen
nur vorübergehend erreicht werden. Den neu hinzukommenden Beiträgen
von Selbstständigen und Beamten stehen zeitverzögert auch
entsprechend Rentenausgaben gegenüber“, heißt es in einer
schriftlichen Antwort des Ministeriums.

Dagegen fordert der SPD-Bundestagsabgeordnete und
Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen
(AfA) Klaus Barthel angesichts der Zahlen eine Neuausrichtung der
Rentenpolitik der Bundesregierung. „Ich glaube, dass die SPD hier in
Zukunft stärker in die Offensive gehen muss, und dass das ein ganz
wichtiger Teil von einem Regierungsprogramm ab 2017 sein muss“, sagte
er MONITOR (WDR).

Interaktive Aufbereitung der Studienergebnisse:
www.rente.monitor.de

Pressekontakt:
WDR Presse und Information
E-Mail: wdrpressedesk@wdr.de
Telefon 0221 220 7100

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