NABU: Eine lebendige Havel dank EU-Naturschutzrichtlinien – „Fitness-Check“ darf nicht zum Naturschutz-Abbau führen

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Die Naturschutzgesetzgebung der EU soll auf den
Prüfstand: Aktuell haben alle Bürgerinnen und Bürger in den
Mitgliedsstaaten die Gelegenheit, sich bis zum 24. Juli zur Bedeutung
und zu einer möglichen „Modernisierung“ der zwei wichtigsten
EU-Gesetze für den Natur- und Artenschutz zu äußern: der
Fauna-Flora-Habitat- (FFH-) und der Vogelschutzrichtlinie. Mit der
Aktion „Naturschätze retten“ stellt der NABU jede Woche unter
www.NABU.de/naturschaetze ein Gebiet, eine Art oder einen Lebensraum
vor, die vom Schutz der EU profitieren oder ohne diesen verloren
gehen könnten. Bürgerinnen und Bürger können sich jetzt auf der
Kampagnenseite für die Naturschätze einsetzen.

Unter dem Schutz der EU hat sich die Untere Havelniederung gleich
in zweierlei Hinsicht zum „Naturschatz“ entwickelt: Sie bildet die
Achse zwischen mehreren Natura-2000-Gebieten und beherbergt zugleich
zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, die durch die FFH- und
Vogelschutzrichtlinie geschützt sind. Entlang der rund 90
Flusskilometer zwischen Pritzerbe und Gnevsdorf finden sich viele
schützenswerte Lebensräume. Die Untere Havel ist nicht nur eines der
bedeutendsten Feuchtgebiete des westlichen Mitteleuropas. Als Rast-
und Überwinterungsgebiet nordischer Sumpf- und Wasservögel ist sie
auch für den internationalen Artenschutz von großer Bedeutung. Mehr
als 1.100 gefährdete und vom Aussterben bedrohte Tiere und Pflanzen,
wie etwa Biber, Fischotter, Sumpfdotterblume und Kuckucks-Lichtnelke,
sind hier zu Hause.

Wie wichtig die Verankerung von Naturschutzrichtlinien ist, zeigt
ein Blick auf den „Werdegang“ der Unteren Havel. Durch
Regulierungsmaßnahmen gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Havel
viel von ihrer ursprünglichen Dynamik genommen. Der Bau von Deichen
und Uferbefestigungen, der zunehmende Schiffsverkehr sowie die
wachsende Belastung durch Abwässer und Einträge aus der
Landwirtschaft setzten dem Fluss stark zu.

Im Jahr 2005 hat der NABU daher das größte europäische Projekt zur
Renaturierung eines Flusses gestartet. Auf etwa 19.000 Hektar werden
verschiedene Maßnahmen, darunter die Entfernung von steinernen
Uferbefestigungen und der Anschluss von Altarmen, umgesetzt, um so
große Flussabschnitte der Unteren Havel wieder zu ihrer
ursprünglichen Vielfalt zurückzuführen.

Vor diesem Hintergrund möchte der NABU zahlreiche Menschen dazu
bewegen, sich für starke Naturschutzgesetze in der Europäischen Union
auszusprechen. Einige Regierungen und Wirtschaftslobbyisten verlangen
bereits die Abschwächung der Fauna-Flora-Habitat- (FFH-) und
Vogelschutzrichtlinie. Der Schutz von allein in Deutschland über
5.000 Natura-2000-Gebieten könnte damit geschwächt werden. Die Jagd
auf Zugvögel und Wölfe, der Schutz von Fledermäusen, Bibern und
Buchenwäldern stünde wieder zur Debatte.

Der NABU fordert nicht nur den Erhalt der EU-Vogelschutz- und
FFH-Richtlinie, sondern auch eine konsequentere Durchsetzung und
Finanzierung der geltenden Naturschutzstandards. „Wenn die
EU-Kommission, das Europäische Parlament und die Mitgliedstaaten es
ernst meinen mit dem Stopp des Artensterbens bis 2020, wozu sie sich
verpflichtet haben, dann muss eine breit angelegte
Naturschutzoffensive eingeleitet werden. Das bedeutet: mehr Geld und
mehr Personal für die Naturschutzverwaltungen, aber auch klare
Bestimmungen für Schutzgebiete sowie empfindliche Strafen für
illegales Töten von Zugvögeln in der ganzen EU“, so NABU-Präsident
Olaf Tschimpke.

Geben Sie Ihre Stimme für unsere Naturschätze:

www.NABU.de/naturschaetze

Mehr über das Renaturierungsprojekt Untere Havelniederung:
www.NABU.de/natur-und-landschaft/fluesse/untere-havel/

Kostenfreie Pressefotos zur Havel: www.NABU.de/presse/fotos/#havel

Am 21. Mai 2015 ist Natura-2000-Tag – setzen Sie ein Zeichen auf
www.Natura2000day.eu

Pressekontakt:
Zum Havelprojekt: Jasmin Singgih, Referentin für
Öffentlichkeitsarbeit: Tel. +49 (0)30.28 49 84-1957, E-Mail:
jasmin.singgih@NABU.de

Zum EU-„Fitness-Check“: Konstantin Kreiser, NABU-Experte für
internationale Biodiversitätspolitik, Mobil +49 (0)172-4179730,
E-Mail: konstantin.kreiser@NABU.de

NABU-Pressestelle

Kathrin Klinkusch | Iris Barthel | Britta Hennigs | Nicole Flöper

Tel. +49 (0)30.28 49 84-1510 | -1952 | -1722 | -1958

Fax: +49 (0)30.28 49 84-2000 | E-Mail: presse@NABU.de

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