Nachbarn, packt an: Wie Design zum sozialen Kitt wird (FOTO)

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Konsumieren war gestern, konstruieren ist heute: Mit der Erfindung
der Hartz-IV-Möbel setzte Van Bo Le-Mentzel ein Zeichen gegen den
Kaufrausch. Jeder Designer sollte seine soziale Verantwortung ernst
nehmen, sagt der Berliner Architekt und Socialpreneur, Fachbeirat des
Wettbewerbs „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“. Fünf Forderungen
von Van Bo Le-Mentzel zum Welttag des Designs:

Gestalter, zeigt Haltung!

„Wir leben in einer Zeit des Umbruchs. Eigentum wird neu
verhandelt, Teilen ist das neue Haben, die Flüchtlingsdebatte und der
demografische Wandel fordern uns. Viele Designer hinterfragen ihr
Selbstverständnis: Arbeite ich für die Industrie? Oder stelle ich
meine Kreativität lieber in den Dienst der Gesellschaft? Soziale
Verantwortung zu übernehmen muss das Ziel sein – auch und gerade für
Designer und Architekten, die mit Formen zum Kaufen verführen und
Menschen beeinflussen. Wer Design überhöht, ist auf dem falschen Weg.
Dreh- und Angelpunkt sind die Bedürfnisse des Nutzers.“

Gutes Design? Darf man nicht sehen

„Schon Bauhaus-Designer wie Marcel Breuer oder Mies van der Rohe
wollten herausfinden: Wie gelingt es, Gebrauchsgüter so zu gestalten,
dass sie allen Menschen ein besseres Leben ermöglichen? Ihre
zeitlosen Möbel wurden zu Klassikern und stehen bis heute für gutes
Design. Es folgt keinem Trend und überdauert jede Mode. Und es ist
unsichtbar: Schafft es der Designer, überflüssig zu werden, hat er
alles richtig gemacht. Wie bei den Hartz-IV-Möbeln. Wer die Entwürfe
im Netz herunterlädt, kreiert am Ende seinen eigenen Tisch oder
Stuhl.“

Schluss mit der Wegwerfgesellschaft

„Der Toaster verweigert nach fünf Jahren seinen Dienst, weil dann
das Nachfolgemodell verkauft werden soll. Der Staubsauger braucht
spezielle Beutel, die kaum ein Laden vorrätig hat. Und bei jeder
Reifenpanne muss das E-Bike in die Werkstatt. Alles Beispiele für
Abhängigkeiten, in denen sich Verbraucher bewegen – und Beispiele für
schlechtes Design. Gute Gestaltung muss Menschen dazu befähigen,
Gebrauchsgegenstände selbst zu reparieren, sie mit anderen zu teilen,
sie umzunutzen oder zu recyceln – ob Fahrrad, Lampe oder Werkzeug.“

Laien zu Experten in eigener Sache küren

„Experten und Laien planen und verwirklichen in Teamarbeit
Gebrauchsgegenstände, Wohnungen oder Stadtteile: Partizipatorischem
Design gehört die Zukunft. Denn Menschen wollen mitreden, wenn es um
ihre eigenen Belange geht – und nutzen ihre Macht. Das beweisen
Internettrends wie Crowdfunding oder erfolgreiche Volksbegehren wie
der Beschluss zum Flughafen Tempelhof. Alejandro Aravena aus Chile,
Preisträger des renommierten Pritzker-Architekturpreises, zeigt, wie
es klappen kann: Er entwirft halb vollendete Häuser für sozial
benachteiligte Familien. Nach und nach bauen die Bewohner sie nach
eigenen Wünschen zu Ende. So entstehen lebendige Siedlungen für und
von den Menschen, die dort wohnen. Wir brauchen mehr von solchen
Projekten – auch in Deutschland.“

Nachbarn, macht gemeinsame Sache!

„Nachbarschaft ist eine unerschöpfliche Quelle an Wissen und
Erfahrung. Nutzen wir dieses Potenzial, können wir Kreativität
entfesseln. Ein Beispiel ist das Tuk Tuk House, ein Miniholzhaus auf
Rädern, in dem Kaffee gekocht werden kann oder das Sachen
transportiert – designt für und von Kreuzberger Nachbarn. Aktuelles
Nachbarschaftsprojekt der Tiny House University ist ein Holzhaus, das
ein Student und ein Obdachloser gemeinsam gebaut haben. Die Tiny
House Universität ist ein Bildungsexperiment für neue Wohnkonzepte,
in dem kleine Häuser erdacht werden, die nur das Nötigste zum Wohnen
bieten, etwa ein Bett oder ein Dach über dem Kopf. Ein Minihaus steht
in einer Berliner Flüchtlingsunterkunft.“

Über Deutschlands Innovationswettbewerb „Ausgezeichnete Orte im
Land der Ideen“

„NachbarschafftInnovation – Gemeinschaft als Erfolgsmodell“: Unter
diesem Motto steht der Wettbewerb 2016. Die Initiative „Deutschland –
Land der Ideen“ und die Deutsche Bank würdigen bundesweit die 100
besten Projekte, die den Mehrwert und das Potenzial
gemeinschaftlichen Handelns für die Gesellschaft aufzeigen, ob in
Unternehmenskooperationen, wissenschaftlichen Netzwerken oder
Nachbarschaftsinitiativen. Mehr erfahren unter
www.ausgezeichnete-orte.de

Pressekontakt:
Harry Olschok und Sophia Steinmann
Tel.: +49/030 7261 46 -711 | -762
Mail: presse-LdI@fischerappelt.de

Stefan Volovinis
Leiter Kommunikation
Deutschland – Land der Ideen
Tel.: +49 30 – 206 459 – 160
Mail: volovinis@land-der-ideen.de

www.ausgezeichnete-orte.de
www.deutsche-bank.de/ideen

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