NDR, WDR, SZ: Tod im Lkw – Schlepperbande für Dutzende weitere Taten verantwortlich Sendetermin: Montag, 22. August, ab 23.30 Uhr

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Sperrfrist: 21.08.2016 17:00
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Ein Jahr nach dem tragischen Tod von 71 Flüchtlingen, die in einem
Kühl-Lkw auf einer Autobahn in Österreich aufgefunden wurden, sind
nun neue Erkenntnisse zu den Hintergründen der Tat bekannt geworden.
Nach Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung soll dieselbe
Schlepperbande für rund 30 weitere Schleusungsfahrten verantwortlich
sein. Der Präsident der Bundespolizei, Dieter Romann, bestätigte
darüber hinaus, dass 13 dieser Fahrten einen unmittelbaren
Deutschlandbezug gehabt hätten: „Eine davon war ebenfalls eine
Großschleusung mit 81 Personen“. Dieser Lkw war von Bundespolizisten
in Sachsen entdeckt worden, neun Tage vor der Todesfahrt nach
Österreich. Beide Fahrten wurden vom selben Schleusernetzwerk
organsiert.

Gegenüber NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung äußerte sich nun
erstmals ein Mitglied der Bande im Interview. Demnach habe die Gruppe
anfänglich Lkw mit Planen zum Transport der Menschen genutzt. „Aber
während der Fahrt haben die Flüchtlinge die Planen oft zerschnitten“,
deshalb sei man auf geschlossene Lkw mit Metallaufbau umgestiegen,
sagte Ilmaz A., der wegen gewerbs -und bandenmäßigen Schleusens zu
viereinhalb Jahren Haft verurteilt wurde und derzeit in der JVA
Bautzen einsitzt.

Er hatte den Lkw mit den 81 Menschen nach Sachsen gefahren. Auch
während seiner Fahrt trommelten die verzweifelten Flüchtlinge gegen
die Wände des Lkw, berichtet Ilmaz A.: „Als ich das Klopfen hörte,
habe ich sofort meinen Chef angerufen. Der hat gesagt, dass ich die
Fahrt fortsetzen soll.“ Das Interview ist Teil der Dokumentation
„Erstickt im Lkw – Das Ende einer Flucht“, die das Schicksal der
Opfer und die Machenschaften der Schleuserbande rekonstruiert. Das
Erste zeigt den Film in der Reihe „Story im Ersten“ am Montag, 22.
August, um 23.30 Uhr.

Die Bande habe nach schnellen Profiten gestrebt und den enormen
Flüchtlingsandrang im vergangenen Jahr genutzt, erzählen beteiligte
Ermittler. Das Leben der Geschleusten habe für die Gruppe dabei
bestenfalls eine Nebenrolle gespielt. So sollen die Schleuser im Fall
des in Österreich aufgefundenen Lkw anfänglich sogar versucht haben,
noch deutlich mehr Flüchtlinge in das Fahrzeug zu pressen.

Der im österreichischen Parndorf aufgefundene Kühllaster wurde zur
tödlichen Falle. Spätestens nach drei Stunden, so ergaben die
Ermittlungen, waren alle Insassen erstickt. Die Menschen hatten keine
Überlebenschancen, auch weil der metallene Kastenaufbau des Lkw
keinen Handy-Empfang zuließ. Im Herbst soll nun in Ungarn gegen sechs
mutmaßliche Schleuser Anklage erhoben werden.

Der Todes-Lkw war am 27. August des vergangenen Jahres in einer
Pannenbucht auf der Autobahn 4 nahe Wien aufgefunden worden. Als
Ermittler die Tür öffneten, fanden sie auf der Ladefläche insgesamt
71 in sich zusammengesunkene Leichen aus Syrien, dem Irak,
Afghanistan und Iran. Ein Mann konnte bis heute nicht identifiziert
werden. Der Fall hatte international für Schlagzeilen gesorgt.

Dieses tragische Ereignis hatte gemeinsam mit weiteren Faktoren
Einfluss auf die deutsche Flüchtlingspolitik. Kanzleramtsminister
Peter Altmaier (CDU) sagte gegenüber NDR, WDR und SZ: „Das hat dazu
geführt, dass wir uns in der Politik intensiv um Lösungen bemüht
haben. Durch den Ablauf der Ereignisse ist dann die Notwendigkeit
allen Beteiligten noch stärker ins Bewusstsein gerückt.“

21. August 2016 / RP

Pressekontakt:
NDR / Das Erste
NDR Presse und Information
Telefon: 040 / 4156 – 2300
Fax: 040 / 4156 – 2199
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