Neue OZ: Kommentar zu Kriminalität / Hells Angels / Frankfurt

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Justiz im Zugzwang

Im niedersächsischen Innenministerium dürfte man gestern ziemlich
neidisch gewesen sein. Denn den hessischen Kollegen ist mit dem
Verbot der Hells Angels in Frankfurt das gelungen, woran die
Hannoveraner seit Jahren scheitern. Allzu gerne würden auch die
niedersächsische Polizei und die Justiz dem Treiben der Rocker in der
Landeshauptstadt ein Ende machen. Immer wieder werden Mitglieder der
Hells Angels mit schweren Straftaten in Verbindung gebracht. Die
Rocker machen dafür aber stets Einzeltäter verantwortlich, nie den
ganzen Club. Dem mächtigen Präsidenten Frank Hanebuth gelang es
bisher immer, seine Gruppierung geschickt aus der Schusslinie der
Behörden zu bringen.

Das mag auch daran liegen, dass die Rocker in Teilen von Hannovers
Gesellschaft ein hohes Ansehen genießen. Hanebuth hat es mit seinen
Männern in den vergangenen Jahren geschafft, das Steintorviertel als
vergleichsweise sicheres Vergnügungsviertel zu etablieren. Mit dem
Rechtsanwalt Götz von Fromberg, einem ehemaligen Präsidenten von
Hannover 96, hat er zudem einen Freund, der ihm den Zugang zu
Hannovers besserer Gesellschaft ermöglichte. Außerdem gilt es in der
Landeshauptstadt als schick, die Rocker bei Partys als Ordner zu
engagieren. Mit dem gestrigen Verbot ist die Justiz in Niedersachsen
jetzt unter Zugzwang, die kriminellen Strukturen der Hells Angels zu
beweisen – und dem hessischen Vorbild zu folgen.

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: 0541/310 207

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