Neue OZ: Kommentar zu Menschenrechte / Amnesty

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Der stete Tropfen

Diese von Amnesty International zusammengetragene Zahl ist
schockierend: 43 Millionen Menschen befinden sich auf der Flucht vor
bewaffneten Konflikten und Verfolgung. Das betrifft, bei einer
Weltbevölkerungszahl von 7,1 Milliarden, jeden 165. Erdenbürger. Doch
Statistik hilft hier nicht weiter, denn es geht um die Brennpunkte:
Allein aufgrund des Bürgerkriegs in Syrien gibt es mehr als fünf
Millionen Flüchtlinge innerhalb und außerhalb des Landes. Wo und wie
sollen all diese Menschen Unterkunft, Lebensmittel, Medikamente und
Hygiene vorfinden? Beschämend ist dagegen die Zahl der von der
Europäischen Union aufgenommenen Flüchtlinge aus Syrien: 40 000. Hat
nicht ebendiese EU den Friedensnobelpreis erhalten für ihren
„erfolgreichen Kampf für Frieden, Versöhnung, Demokratie und
Menschenrechte“? Angesichts der restriktiven Asyl- und
Abschiebepolitik der EU wirkt die glänzende Auszeichnung beschmutzt.

Gut, dass Amnesty den Finger in die Wunde legt. Die Wächter der
Menschenrechte listen zudem die Länder auf, in denen Menschen wegen
ihrer politischen und religiösen Überzeugung inhaftiert, gefoltert,
misshandelt und hingerichtet werden und wo die freie Meinung
unterdrückt wird. Doch was nützt es, wenn viele Regierungen dies nur
zur Kenntnis nehmen, ohne zu handeln, mag man denken. Stimmt nicht:
Seit der Amnesty-Gründung 1961 gibt es viele positive Entwicklungen.
Der stete Tropfen höhlt den Stein.

Marcus Tackenberg

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

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