Neue OZ: Kommentar zu Prozesse/Terrorismus/NSU/Medien

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Diese Sturköpfe

Das für den NSU-Prozess zuständige Oberlandesgericht München hat
von einer Sache offenbar kaum Ahnung: der Öffentlichkeit. Erst will
es nicht einsehen, warum Journalisten aus der Türkei auf jeden Fall
dabei sein sollten. Dann lässt es keine Online-Medien als
eigenständige Bewerber im Auswahlverfahren zu. Und nun verwechseln
die Richter unter anderem den MDR-Hörfunk mit dem MDR-Fernsehen.

Etwas sachkundige Hilfe hätte ihnen gutgetan: In anderen Ländern
etwa gibt es die Möglichkeit, dass Journalisten in eine Art Ausschuss
berufen werden, um mit den Richtern gemeinsam über Presseplätze zu
entscheiden. Das entlastet Justitia – und schafft die nötige
Fachkompetenz.

Aber nein, die Richter zeigen sich bei so vielen Fragen des
Verfahrens als Sturköpfe: Sie handeln strikt nach dem
Formaljuristischen. Bei einem Prozess dieser Tragweite gehört aber
dazu, dass das Gericht auch überlegt, was gesellschaftspolitisch klug
ist.

Trotz der Vorwürfe wegen des Öffentlichkeitsverständnisses des
Gerichts ist auch Selbstkritik der Medien angezeigt: Dass „Ebru TV“
oder „Radio Lotte Weimar“ einen Platz haben, mag lächerlich scheinen.
Doch fehl am Platz ist der Überheblichkeitsreflex der überregionalen
Presse. Der Verweis auf ihre Auflage greift nicht. Denn gerade die
ist bei regionalen Medien meist höher.

Fabian Löhe

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

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