Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Kirchen in unübersichtlicher Zeit Mehr Selbstbewusstsein bitte Carsten Heil

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Krisen bergen Chancen, heißt es. Wenn das auf
Institutionen zutrifft, dann im Herbst 2014 auf die Kirchen. Jetzt,
da kirchliche und religiöse Feiertage wie der Reformationstag,
Allerheiligen und Allerseelen, bald aber auch der Ewigkeitssonntag
für mehr Nachdenklichkeit sorgen, scheinen sich die beiden großen
christlichen Kirchen zu bewegen und damit aus ihren Krisen Chancen zu
machen. Die Katholiken hatten jüngst in Rom ihre große
Familiensynode. Und unter dem neuen Papst Franziskus bewegt sich
Erstaunliches. Es ist noch nicht viel was sich verändert, aber das
wäre ohne die vielfältigen Probleme nicht in Bewegung geraten.
Gesellschaftliche Veränderungen werden in Rom erstmals wahrgenommen
und vor allem ernstgenommen. Die evangelische Kirche schlägt sich mit
Mitgliederverlusten herum und beschäftigt sich sehr mit sich selbst.
Ein neuer Ratsvorsitzender muss Mitte November auf der EKD-Synode
gewählt werden nach dem vorzeitigen Verzicht des Amtsinhabers
Nikolaus Schneider, aus noblen privaten Gründen. Darüber hinaus
unendliche und zähe Debatten über ethische Fragen und über
politische. Das aber ist genau richtig. Jedenfalls wenn sie zu Ende
geführt und mit deutlichen Beschlüssen beendet werden. Denn selten
wurden Beiträge der beiden christlichen Kirchen so gebraucht wie
derzeit. Als mutige und eindeutige Wegweiser in einer
unübersichtlichen Situation. In einer Zeit, in der sich viele
Menschen fragen: Was passiert da gegenwärtig mit dem Islam? Wie sehr
bekommen Muslime in der Weltpolitik Oberhand? Was passiert selbst vor
unserer Haustür, wenn in Kitas aus Rücksicht auf Muslime kein
Schweinefleisch mehr auf dem Speiseplan steht? Toleranz und
Verständnis ist nur möglich aus einer Position der Stärke, eines sich
selbst Bewusstseins. Dazu sollten die Kirchen vor dem Hintergrund
ihrer biblischen Botschaft beitragen. Dazu müssen sie sich aber
bewegen aus ihrer defensiven Ecke heraus. Der Gott der Bibel hat
jeden Menschen mit gleichem Wert ausgestattet. Das sollten die
Kirchen in die Debatte einwerfen und deutlich machen. Das ist die
Grundlage auch des säkularen westlichen Lebens. Bei den aktuellen
Auseinandersetzungen in der muslimischen Hemisphäre geht es derzeit
anders zu. Mord und Totschlag haben Überhand. Doch bevor wir im
Westen hochmütig darüber urteilen, sollten wir uns an die eigene
Geschichte erinnern. Die ging auch nicht friedlich vonstatten. Im
Gegenteil. 100 Jahre nach der Reformation folgte der 30-jährige
Krieg. Um nur ein Beispiel zu nennen. Weil christlicher Glaube auch
das Wissen um das eigene Versagen ist, muss man heute die Vorgänge im
Nahen Osten zwar deutlich ansprechen und scharf kritisieren. Aber es
geht nicht an, den Islam als ganzes zu verurteilen. Denn es sind
politisch-religiös verblendete Auswüchse, die sich zutragen. Fragen
muss die Kirche allerdings, ob jede umfassende und grundsätzliche
Rücksichtnahme auf muslimische Gepflogenheiten in Deutschland richtig
ist. Auf christliches Liedgut in Kitas wird zunehmende verzichtet,
muslimische Feste aber gefeiert. Da ist mehr Selbstbewusstsein und
weniger falsch verstandene politische Korrektheit gefordert. Dazu
aber müssen die Kirchen ihre Krisen überwinden und neue Kraft
gewinnen.

Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de

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