Neue Westfälische (Bielefeld): KOMMENTAR Wahl in Brasilien Gespaltenes Land Stefan Schelp

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Das war schwieriger als erwartet: Dilma
Rousseff, amtierende Präsidentin von Brasilien, ist mit überaus
knapper Mehrheit in ihrem Amt bestätigt worden. Was jetzt kommt, wird
für sie noch wesentlich schwieriger. Wenn die linksorientierte
Politikerin Brasilien in die Erfolgsspur zurückbringen will, muss sie
nun leisten, was bislang nicht gerade als ihre Stärke gilt: Sie muss
Arm und Reich, Nord und Süd miteinander versöhnen. Im armen Norden
hat die Präsidentin bis zu 70 Prozent der Stimmen bekommen und damit
den Lohn für viele soziale Geschenke eingefahren. Im eher industriell
geprägten Süden des Landes hat dagegen ihr Herausforderer bis zu 60
Prozent der Stimmen eingefahren. Das Land ist gespalten. Wie schnell
die Unzufriedenheit in Aufruhr umschlagen kann, hat die Welt vor
Beginn der Fußball-WM verfolgen können. Auf die Straßen von Rio und
São Paulo gingen damals keineswegs nur Chaoten, sondern auch
Menschen, die genug hatten von der überbordenden brasilianischen
Korruption. Bislang ging man davon aus, dass Rousseff ernsthaft,
wenngleich erfolglos gegen die Schmiergeld-Mentalität vorgeht.
Inzwischen ist klar, dass sie selbst in einen der größten Skandale um
den Staatskonzern Petrobras verstrickt ist. Das macht die Versöhnung
nicht einfacher. Die sozialen Konflikte sind ungelöst, die nächste
große Bühne ist zu den Olympischen Spielen 2016 schon bereitet.

Pressekontakt:
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