Neue Westfälische (Bielefeld): 9/10-Regelung bleibt bestehen Längst überholt Martin Fröhlich

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Die Berliner Politik ist sich weitgehend einig
darin, an der 9/10-Regelung festzuhalten. Das kommt nicht
überraschend, macht aber die Sorgen der Betroffenen nicht kleiner. Im
Gegenteil. Berlin verweist auf das Solidarprinzip der gesetzlich
Versicherten. Es sagt damit nichts anderes, als dass eine Aufnahme
der vorübergehend woanders versicherten Betroffenen für die
gesetzlichen Kassen eine zu hohe Belastung darstelle. Doch ist das
wirklich so? Wenn immer wieder das Argument vorgebracht wird, es
handle sich nur um Einzelfälle, dann scheint umgekehrt die zu
befürchtende finanzielle Mehrbelastung gar nicht so gewaltig zu sein.
Was für das Gesamtsystem der Krankenversicherung wohl nur eine
Randnotiz wäre, hätte für die einzelnen Betroffenen eine gewaltige
entlastende Wirkung. Es sei daran erinnert, dass die Verfasser der
Petitionen aus ganz Deutschland alle nur vorübergehend das
Solidarsystem der gesetzlichen Versicherung verlassen hatten, nicht
jedoch endgültig. Sie haben meist längst wieder in den gesetzlichen
Topf eingezahlt, viele Jahrzehnte lang. Nur eben nicht 90 Prozent der
zweiten Erwerbsphase ihres Lebens. Die Realität in diesem Land ist,
dass sich der Arbeitsmarkt verändert. Die gebrochene Erwerbsbiografie
mit Jobwechseln, Erziehungspausen und Phasen von Selbstständigkeit
oder Arbeitslosigkeit wird zur Normalität. Die 9/10-Regel in ihrer
jetzigen Form ist überholt. Das Solidarprinzip zu schützen ist eine
Sache, es ad absurdum zu führen, indem man Härtefälle unsolidarisch
ignoriert, ist eine andere.

Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de

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